• Adrian Wirz

Nikon Z7: ein Erfahrungsbericht

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Seit genau 9 Monaten bin ich nun im Besitz einer spiegellosen Nikon Z7. Was ist der Unterschied zur Nikon D850 oder gar zur Nikon D810?

Vorgeschichte: Im Juli 2019 fuhren Roland Moser und ich nach Südfrankreich, unser Ziel war Valensole und seine blühenden Lavendelfelder. Während des Check-In im Hotel wurde unsere ganze Ausrüstung inkl. Kleider etc. aus dem Auto gestohlen. Alles was ich nach Hause brachte, waren die Wanderschuhe und ein Iphone Ladekabel, sonst war alles weg! Am Tag zuvor hatte ich zum erstenmal überhaupt eine Versicherung für meine Kameraausrüstung abgeschlossen, Südfrankreich ist ein heisses Pflaster, die Hochburg der Gauner, Marseille ist nur etwa 100 km entfernt.


Valensole Südfrankreich

Der grosse Moment, Roland beim öffnen der Heckklappe, dann sahen wir die "Bescherung". Alle unsere Sachen waren gestohlen. Wir beide waren am rotieren, erst den Schock verdauen. Ich überlegte fieberhaft was ich alles versichert hatte, begann zusammenzuzählen und kam auf einen Betrag der zwar nicht das ganze Equipement einschloss, aber zumindest konnte ich mir wieder eine Ausrüstung kaufen. Nur, zahlt die Versicherung wirklich? Der Versicherungsschutz lief ja erst seit dem Vortag, zudem war es das erstemal dass ich bei Lings eine Versicherung abschloss. Gibt es einen Haken, habe ich etwas übersehen? Viele Fragen blieben vorerst offen. Aber meine Bedenken waren unbegründet! Lings erledigte den Fall unkompliziert und schon in derselben Woche wurde mir das Geld überwiesen! Der Vorteil dieser Versicherung dass man sie online und tageweise abschliessen kann. Ich sah das ganze positiv und überlegte mir, was es nun für eine Cam sein darf? Den Gedanken wieder eine Nikon D850 zu kaufen, verwarf ich schnell. Ist nicht jetzt der optimale Zeitpunkt um auf Spiegellos umzustellen?

Nikon Z7 und Nikkor Z 2.8 24-70 S

Ein paar Tage später war ich stolzer Besitzer einer spiegellosen Nikon Z7 Kamera mit FTZ Adapter, für den Anschluss von Objektiven mit F-Mount. Dazu kaufte ich mir die beiden Objektive Nikkor Z 14-30 f 4 S und das Nikkor Z 24-70 f 2.8 S. Das sollte vorerst reichen.

Nikon Z7

Aber mit dem Brennweitenbereich von 14-70mm war ich doch sehr eingeschränkt, so gesellte sich nach ein paar Wochen ein Tamron SP 70-200 2.8 Di VC USD G2 dazu, welches mit dem FTZ Objektivadapter tadellos funktioniert.

Nikon Z7 mit FTZ Adapter

Nun war ich also wieder sehr gut ausgerüstet für die Landschaftsfotografie. Ende Juli blühen jeweils die Sonnenblumenfelder am Jurasüdfuss, also nicht weit entfernt von meinem Wohnort. Unzählige Sonnenblumenfelder leuchteten im schönsten Gelb, es war schon spät und noch immer hatte ich keinen passenden Standort gefunden. Meistens störten Hochspannungsmasten den Gesamteindruck. Kurz vor Sonnenuntergang klappte es dann doch noch. Aber es blieb keine Zeit mehr um das Stativ zu positionieren. So fotografierte ich Freihand. Zuhause am Computer stellte ich zum erstmal die unglaubliche Schärfe des Nikkor Z 14-30 4.0 fest. Da es sich um eine Tagesaufnahme handelt liess diese Aufnahme nur wenig Rückschlüsse auf den Dynamikumfang zu. Einzig dass die Wolken weniger ausgefressen waren als dies bei der Nikon D850 der Fall gewesen wäre. Was mir zusätzlich auffiel war der starke Kontrast und allgemein die kräftigeren Farben in den RAW Dateien.

Sonnenblumenfeld am Jurasüdfuss

Ein paar Tage später war ich im Baselbiet unterwegs. Wieder musste alles rasch gehen, trotzdem blieb mir Zeit um das Stativ aufzustellen. Von den Baselbieter Hochebenen lässt sich in den Sommermonaten oft ein traumhafter Sonnenuntergang beobachten.

Kilchberg im Kanton Baselland

Gerne hätte ich zu diesem Foto einen Vergleich mit der D850 gemacht um die Unterschiede aufzuzeigen. Aber hier lässt sich der Dynamikumfang der Z7 schon sehr gut feststellen. Nur ganz wenige Stellen am Himmel waren ausgebrannt, aber mit dem Lichterregler im RAW Converter lässt sich das einfach beheben. Einfach genial was die Nikon Z7 bei solchen Bedingungen abliefert. Fotografiert mit dem Nikkor Z 24-70 2.8. Die Nikon D850 wäre bei solchen Bedingungen (ohne Doppelbelichtung) überfordert gewesen. Das Foto wurde ohne Filter gemacht. Das waren meine ersten beiden Fotos mit der spiegellosen Nikon Z7. Zu was sie aber wirklich fähig ist, zeigt das folgende Foto.

Wallfahrtskapelle Maria Gern bei Berchtesgaden

Die Wallfahrtskapelle Maria Gern bei Berchtesgaden hat mir bis jetzt sehr viele einzigartige Stimmungen beschert. Natürlich gehört immer auch genaue Planung dazu. Dieses Foto entstand während des Berchtesgaden Workshop um 4 Uhr morgens. Ich hatte dieses Bild schon Tage vorher im Kopf. Ich musste nur noch vor Ort feststellen, wann das Vollmondlicht am optimalsten ist. Um etwa 4 Uhr morgens sollte es passen, der Mond rechts oben, noch kein zu flacher Winkel, damit die Region schön ausgeleuchtet ist. So war es dann auch und dazu war es noch praktisch windstill. Aber, und hier kommt wohl das grösste Manko einer spiegellosen Kamera: da ich bei der Z7 im Sucher direkt auf den Sensor schaue, herrscht auch bei Vollmondlicht nur Dunkelheit, kein Umriss, rein gar nichts. Ich musste erst ein paar Testaufnahmen mit hoher ISO machen, damit ich den Bildausschnitt festlegen konnte. Der Autofokus ist ok, mehr aber auch nicht! Wer jemals mit einer Nikon D850 fotografiert hat, weiss wie genial dieser Autofokus ist. Der sitzt auch unter schwierigsten Bedingungen und auch bei Vollmondlicht ist das Bild gut im Sucher sichtbar. Ich bin mir sicher mit der Nikon D850 wäre ich zu den einem ähnlichen Resultat gelangt. Wenn du dieses Foto im unbearbeiteten RAW Format und im Vergleich zum bearbeiteten Foto sehen möchtest, hier kannst du das: Vorher/Nachher Natürlich reicht es nicht, bei den RAW Dateien einfach den Tiefenregler in Lightroom oder Photoshop hochzudrehen, das Ergebnis wäre höchst unbefriedigend. Im April ist im Kanton Baselland Kirschblütenzeit. Dieses Jahr wollte ich an zwei bekannten Hotspots etwas anderes verwirklichen als den Sonnenaufgang. So war bei Vollmond schon um 4 Uhr morgens beim wohl bekanntesten Kirschbaum im Baselbiet. Die Bedingungen waren optimal. Den Mond im Rücken so dass der Kirschbaum und ich selber angeleuchtet werden. Zusätzlich beleuchtete ich den Baum mit meiner Stirnlampe.

Kirschbaum bei Vollmond

Natürlich war ich nicht besonders überrascht wie gut die Nikon Z7 solche Situationen bewältigt. Während bei vielen anderen Kameras oftmals Farbabrisse im Blauton zu sehen sind, sind solche Aufgaben für die Z7 kein Problem. Ich muss allerdings gestehen dass ich rund 1.5 Std brauchte um das optimale Licht und das perfekte Foto zu realisieren. Aber da ich sehr früh vor Ort war, konnte ich ungestört üben. Fazit: Der Umstieg von der Nikon D850 auf die Nikon Z7 war für mich erstmals gewöhnungsbedürftig. Im Vergleich zur D850 fühlt sich die Z7 wie ein Spielzeug an. Als ich zum erstenmal ein Foto im RAW Konverter betrachtete entfuhr mir ein leises "Wow". Diese kräftigen Farben und der hohe Kontrast, einfach genial. Ich konnte kürzlich mit einem befreundeten Fotografen welcher ebenfalls eine Z7 besitzt über die Vor- und Nachteile diskutieren. Ihm fielen diese Sachen auch als erstes auf. Was mich aber wirklich umhaute war die Schärfe der Z7 in Kombination mit dem Nikkor Z 24-70 f 2.8 S. Ich durfte kürzlich ein Bild für einen Kunden bei Whitewall drucken lassen. Es handelte sich um ein Foto der deutsche Eiche (siehe unten) Das Ergebnis haute mich von den Socken! Diese Schärfe und Klarheit, einfach fantastisch. Leider sieht man das hier in den Blogfotos nicht wirklich. Woran ich weniger Freude habe ist der Preiszerfall: würde ich die Kamera mit den beiden Nikkor Objektiven heute kaufen, hätte ich knappe 2000 Fr. weniger zu bezahlen als im Juli 2019. Die einen freuts......die andern nervts.... Wäre mir die Nikon D850 nicht gestohlen worden, ich hätte sicher keinen Wechsel vollzogen. Ja die Nikon Z7 ist gut, sehr gut sogar! Der Gewichtsvorteil gegenüber einer Spiegelreflex ist enorm. Aber lohnt sich deswegen so eine teure Investition? Für mich nicht, aber ich hatte das "Glück" dass ich durch den Diebstahl dazu gezwungen wurde. Von daher wünsche ich dem jetzigen "Besitzer" viel Spass mit meiner Nikon D850!

Deutsche Eiche mit Raureif

Nikon Z7 mit Sigma 150-600 Contemporary.

Seit kurzem bin ich Besitzer des Sigma 150-600 Contemporary Objektivs, ich bin mal gespannt was dieses Objektiv bei der Tierfotografie für Ergebnisse abliefert. So richtig hat es mich kürzlich bei einer Landschaftsfotografie mit dem Supermond nicht überzeugt. Irgendwie fehlt mir der satte Kontrast bei 600mm. Der Autofokus hingegen funktioniert bei dieser Kombination tadellos. Das war auch der Grund weswegen ich mir kein Tamron 150-600 zugelegt habe. Dort funktioniert der Autofokus mit der Z7 nicht. Korrektur: Ab April 2020 funktioniert auch das Tamron 150-600 G2 mit der Z7/Z6 Compatibility Nikon Z und Canon EOS R


Supermond und Kirschblüte

Da ich kein Freund von Adaptern bin und das Tamron SP 70-200mm F/2.8 Di VC USD G2 leider nur damit funktioniert, bin ich gespannt was das neue NIKKOR Z 24–200 mm 1:4–6,3 VR bringt. Mit knapp 600 Gramm und einem Preis von 1100 Fr. vielleicht eine Alternative? Das NIKKOR Z 70–200 mm 1:2,8 VR S ist mir im Moment mit rund 3200 Fr. zu teuer. Aber ich denke da wird sich der Preis so um 2500 Fr. einpendeln.

Nikon Z7 mit Tamron SP 70-200mm F/2.8 Di VC USD G2

Zum Schluss noch ein Foto mit dem FTZ Adapter und dem Tamron SP 70-200mm F/2.8 Di VC USD G2. Die Brennweite ist 190mm. Auch diese Kombination funktioniert tadellos! Du fotografierst gerne Tiere? Vielleicht hilft dir dieser Beitrag weiter? Du möchtest meinen Blog abonnieren? Schreib einfach untenstehenden Link in deinen News Reader und du bist immer sofort informiert sobald ein neuer Blog online ist. Kopieren geht leider nicht da die ganze Website Copyright geschützt ist: ​https://www.adrian-wirz.com/feed.xml

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