• Adrian Wirz

Back in the Dolomites


Anfang Juli war ich zusammen mit Roland Moser und Andreas Gerth wieder in den Dolomiten. Frühmorgens um 4 Uhr ging es los. Die Fahrt verlief problemlos und staufrei bis Bruneck, dort knallte uns eine italienische Mercedes Fahrerin, nach einem harten Bremsmanöver im Tunnel, voll hinten rein. Der Knall liess nichts Gutes erahnen und so dachte ich dass die Reise hier wohl schon zu Ende ist. Die Carabinieri waren schnell vor Ort und nahmen den Schaden auf. Das Heck war zertrümmert, die Klappe liess sich nicht mehr öffnen, aber der Dacia Duster rollte noch. So reparierte uns eine Carosseriewerkstatt das Auto notdürftig und einer Weiterfahrt stand nichts mehr im Wege. Die Heckklappe blieb allerdings geschlossen, was das hantieren mit dem Gepäck die folgenden Tage etwas umständlich machte.

Mit etwas Verspätung, aber immer noch frühzeitig erreichten wir die Auronzohütte am Fuss der Drei Zinnen.

Ein gemütliches Zimmer erwartete uns, allerdings waren die Matratzen etwas gar weich. Aber wir waren ja nicht zur Erholung hier. Am Himmel zogen viele Wolken in grosser Geschwindigkeit vorbei, genau richtig für unser Vorhaben. Ab 19 Uhr konnte man sich am reichhaltigen Abendbuffet bedienen. Das Essen war wie immer sehr gut. Wir beeilten uns und schlangen das Nachtessen inkl. Dessert in der Rekordzeit von 15 Min. runter. Dann ging es los! Das Ziel war der Grat bei den Zinnen. Wir rechneten mit etwa 40 Min. Marschzeit. Im Eiltempo marschierten wir los. Der letzte Abschitt hoch auf den Paternkofelgrat hatte es in sich. Wir nahmen den kürzeren und steileren Weg. Gleich zu Beginn eine solche Höchstleistung zehrte doch an den Kräften. Aber wir schafften es in rund 35 Min.

Es erwartete uns eine grandiose Stimmung. Allein dieser Anblick war die Reise wert. Vom Tal zog Nebel hoch, der Mond schien durch die Wolkenlücken, am Himmel hatte es interessante Wolkenformationen und die Sonne verschwand langsam hinter den Dolomiten Spitzen.

Bei fast völliger Dunkelheit wanderten wir danach den angenehmeren Weg zurück zur Auronzohütte. Die Nacht war kurz, denn schon um 3.30 Uhr klingelte wieder der Wecker.

Wir wollten zu dem kleinen See unterhalb der drei Zinnen. Allerdings war schon aller Schnee rund um die Zinnen geschmolzen, so dass ich wenig Hoffnung auf eine perfekte Spiegelung hatte. Dem war dann auch so und ich konzentrierte mich auf andere Motive. (Roland und Andi fanden aber einen guten Standort um die Zinnen zu spiegeln).

Ich konzentrierte mich auf den kleinen Bach und die Alpenrosen.

Auch an diesem Morgen zogen die Nebelschwaden um die Drei Zinnen. Mal waren sie komplett verhüllt und dann wieder klar zu sehen.

Pause bei den Drei Zinnen vor dem anstrengenden Marsch zur Dreizinnenhütte quer über die Geröllfelder.

Da wir eine Alternativ Route zu der Dreizinnenhütte suchten war dieser Spot ideal. Aber wir unterschätzten die Distanz. Quer durch das Geröllfeld, mal auf einem Wanderweg dann wieder über Stock und Stein suchten wir die Direttissima zum offiziellen Wanderweg. Es war der Tag mit den meisten Marschkilometern, die App auf dem Handy zeigte am Abend 13.4 km. Die Temperaturen waren zwar angenehm, aber das ewige Auf und Ab zehrte an den Kräften, zumal die Dreizinnenhütte immer im Blickfeld war und doch so weit entfernt. Nach einigen Pausen erreichten wir den offiziellen Wanderweg und bald darauf nach einem kurzen, aber heftigen Anstieg auch die Dreizinnenhütte. Zum Glück konnten wir gleich unser Zimmer beziehen und uns ein wenig ausruhen.

Ein einfaches, aber gemütliches Zimmer in der Dreizinnenhütte mit direktem Blick zu den Drei Zinnen.

Aussicht aus dem Zimmer. Aber der Tag war noch lang. Andreas und ich gönnten uns erstmal ein Bier.

Andreas Gerth

Später kam auch Roland noch dazu und wir genehmigten uns ein zweites Bier, diesmal mit der sehr guten Sachertorte. Darauf habe ich mich u.a. ein ganzes Jahr lang gefreut!

Nachmittags nahmen wir dann noch den Aufstieg zum Plateau oberhalb der Dreizinnenhütte unter die Füsse. Von dort oben hat man einen fantastischen Ausblick auf die Drei Zinnen Arena

Bergwelt der Dolomiten

Andreas Gerth und Roland Moser beim Abstieg vom Plateau. Danach war das wohlverdiente Abendessen angesagt. Auch in der Dreizinnenhütte hat man wie in den anderen Berghütten in den Dolomiten 2-3 Menus zur Auswahl. Leider dauerte es etwas lange bis das Essen serviert wurde, die Zeit um die Abendstimmung zu fotografieren wurde langsam knapp. Aber wir schafften es trotzdem noch rechtzeitig. Die Hetze war allerdings umsonst, schon bald zog dicker Nebel vom Tal hoch und versperrte jegliche Sicht auf die Drei Zinnen. Das blieb dann auch so. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um halb drei Uhr das erstemal, aber noch immer war dicker Nebel. Beim 2. Klingeln um halb Vier sah es dann draussen schon viel besser aus. Im Tal wabberte dicker Nebel, während die Zinnen vollkommen nebelfrei waren. Nichts wie nach draussen. Andreas und Roland kraxelten erneut auf das Hochplateau, während ich mir einen anderen Standort suchte.

Der nächste Morgen: Die ersten Sonnenstrahlen lassen die Drei Zinnen in schönem Rot leuchten, während im Tal der Nebel langsam hochsteigt.

Auch ein Klassiker! Dreizinnenhütte vor den Drei Zinnen.

Nach dem Frühstück hiess es zusammenpacken, weitere Locations in den Dolomiten warten.

Ein Blick zurück zur Dreizinnenhütte.

Ein letztes Foto mit den Drei Zinnen auf dem Paternkofelgrat, dem höchsten Punkt auf dem Rückweg zum Parkplatz. Von nun an ging es bergab. Unser nächstes Ziel war der Falzarego Pass. Dort übernachteten wir zwei Nächte im " Hotel Al Sasso di Stria". Wie überall im Südtirol sehr freundliches Personal, das gerne auf Sonderwünsche (die hatten wir) einging.

Nachmittags stand eine Wanderung zum Lago di Limedes auf dem Programm, ich musste diese leider sausen lassen da ich mir eine leichte Magenverstimmung eingehandelt hatte. Aber gemäss Roland und Andreas hatte der See wenig Wasser, aber viele Wildcamper rund um den See. Am nächsten Morgen war wie üblich um 3.30 Uhr Tagwache. Eigentlich waren die Cinque Torri nicht auf dem Programm, aber das frühe Aufstehen lohnte sich. Während wir im letzten Jahr eine traumhafte Nebelstimmung erleben durften, war dieses Jahr der Himmel sternenklar. Auch dieser Aufstieg ist frühmorgens kein Mondlichtspaziergang, aber auf gefestigten Wegen war er doch gut zu bewältigen. So warteten wir auf den Sonnenaufgang.

Andreas und Roland.

Da wir letztes Jahr fast auf den Tag genau auch an dieser Stelle auf den Sonnenaufgang warteten, mussten wir auch keine App konsultieren um nachzuschauen wo die Sonne denn jetzt genau aufgeht.

Sonnenaufgang bei den Cinque Torri

Panorama bei den Cinque Torri. Nach dem Sonnenaufgang beeilten wir uns zu einem anderen Standort, um die Sonne auf dem Foto hinter einem der Cinque Torri zu platzieren.

Einmal mehr war es einfach wunderschön! Die Vegetation war etwas weiter fortgeschritten als letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt.

Cinque Torri

Zurück im Hotel wartete schon das Frühstücksbuffet, auch das war hervorragend mit allem was der Magen nach den Anstrengungen begehrt! Danach ein kurzes Ausruhen auf dem Zimmer und schon ging es wieder weiter! Auf den Passo di Giau. Mit etwa 40 Min. Autofahrt mussten wir rechnen. Das war zu lang um rechtzeitig wieder zum Nachtessen zurück zu sein. Die freundliche Dame am Empfang berechnete uns dieses verpasste Nachtessen auf der Schlussabrechnung nicht. So griffen wir auf unsere gefriergetrockneten Menus zurück.

Von nun an ging es etwas gemütlicher zur Sache, die langen Marschdistanzen gehörten der Vergangenheit an. Wir suchten die Gegend um den Passo di Giau nach geeigneten Spots ab, obwohl viele gibt es nicht davon. Machten ausgiebige Pausen im Restaurant, kurzum ein wirklich gemütlicher Nachmittag und Abend. Unser Essen bereiteten wir uns auf dem mitgebrachten Gaskocher zu. Da ich mittlerweile weiss dass Andi Pasta bevorzugt, hatte ich gleich Carbonara und Bolognese zur Auswahl!

Andreas Gerth beim Kochen :-)

Mise en Place

Roland schaut etwas skeptisch.

Nachtessen auf dem Passo di Giau

Sieht doch gut aus, Kartoffelstock mit Lauch und Rindfleisch.

Ein kurzes Nickerchen auf der weichen Bergwiese.

Wir verbrachten rund 12 Stunden auf dem Passo di Giau und kamen erst spätabends zurück ins Hotel am Falzarego Pass.

Wie immer war auch am nächsten Morgen um 3.30 Uhr Tagwache. Wir mussten uns zwischen Lago di Limedes und Passo di Giau entscheiden. Wir entschieden uns für letzteres und bereuten es nicht. Eine wunderschöne Stimmung machte sich in Richtung der Drei Zinnen bemerkbar wo der Himmel klar war, über uns war es ziemlich wolkig.

Nach dem Frühstück packten wir unsere 7-Sachen und fuhren Richtung Villnösstal (Val di Funes), das letzte Ziel dieser Dolomiten Reise war die Glatschalm (Malga Glatsch). Zuerst besuchten wir aber noch die beiden bekannten Standorte um die Kapellen von St. Maddalena zu fotografieren. Leider war es uns nicht möglich ansprechende Fotos davon zu machen, aber sie rennen uns ja nicht davon.

Glatschalm Hütte, ein wirklich heimeliger Ort. Wir bezogen unser Zimmer und schon bald zog es uns wieder nach draussen um die Gegend etwas zu erkunden.

Unser kleines aber gemütliches Zimmer auf der Glatsch Alm.

Panorama von der Gaststube auf der Glatschalm

Das gemütliche und urchige Restaurant auf der Glatschalm.

Dunkle Wolken kündigten ein Gewitter an, Roland liess sich nicht davon beirren und entfernte sich etwas weiter von der Hütte. Plötzlich begann es wie aus Kübeln zu schütten und auch Hagel ging nieder, so dass die Umgebung kurzfristig weiss war. Wo ist Roland? So schnell wie das Gewitter herangezogen war, so schnell war es auch wieder vorbei und Roland tauchte durchnässt wieder auf, er hatte in einem Kuhstall Unterschlupf gefunden. Bald danach wurde das Abendessen serviert und das war wirklich eine Gaumenfreude! Zuerst eine Bouillion mit einem kleinen Knödel und zum Hauptgang ein Teller mit einem grossen Knödel und Rindfleisch.

Bouillion mit Knödel

Rindfleisch mit Knödel

Auch eine grosse Schüssel mit Kraut durfte nicht fehlen. Leider war der Abend aus fotografischer Sicht kein Highlight, aber wir konnten ja noch auf den Morgen hoffen. Dafür plauderte uns Sepp, ein typischer Südtiroler welcher schon einige Schnäpse intus hatte, mit seinem schwer verständlichen Südtiroler Dialekt voll. Der Abend wurde länger und länger und Sepp quasselte noch immer. Um etwa 23 Uhr konnten wir dann doch noch flüchten. Am nächsten Morgen klingelte wie üblich der Wecker um 3.30 Uhr. Draussen war es sternenklar und so hofften wir auf das Glühen der Geissler Spitzen im Morgenrot.

Geisler Gruppe auf der Glatsch Alm

Auch ein paar aus der Weide ausgebüxte Rinder leisteten uns Gesellschaft und zeigten reges Interesse an der Fotografie und den Utensilien. Zum Glück schnallte sich Roland seinen F-Stop noch rechtzeitig um, gleich darauf erledigte ein Rind sein Morgengeschäft!

Bald kam auch der Landwirt und versorgte die Rinder wieder auf der umzäunten Weide. Danach stand die Heimreise an, sechs anstrengende Tage in den Dolomiten waren zu Ende. Wunderschöne Stimmungen durften wir erleben. Die ganzen Strapazen haben sich gelohnt. Hier noch eine Grafik über die zurückgelegten Marschdistanzen. Am Samstagabend waren wir wieder zuhause..... man beachte den Sonntag.....

WORKSHOPTEILNEHMER: Natürlich wirst du während unserer Dolomiten Workshops nicht mit solchen Marschdistanzen konfrontiert. Wir haben während der Scouting Woche die Drei Zinnen eineinhalbmal umrundet. Die rund 5 km vom Parkplatz der Auronzohütte bis zur Dreizinnenhütte ist gut machbar in rund 1.5 Std. Das wird auch die grösste Distanz während der Workshops sein. Zudem sind im September die Nächte schon um einiges länger, du wirst dich also nicht mit 3-4 Stunden Schlaf begnügen müssen. Du möchtest auch einmal die fantastische Bergwelt der Dolomiten erleben? Nächstes Jahr hast du die Gelegenheit dazu. Wir werden einen weiteren Workshop in den Dolomiten durchführen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten führen wir dich zu den schönsten Plätzen in der Südtiroler Bergwelt. Was wir alles am ersten Dolomiten Workshop 2017 erlebt haben: Blog Dolomiten Workshop 2017

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