• Adrian Wirz

Filtertest: Lee vs. NiSi


Vor etwa 3 Monaten habe ich mein gesamtes Filtersystem von Lee auf NiSi umgestellt. Über die ersten Erfahrungen möchte ich an dieser Stelle berichten.

Eines gleich vorweg, ich werde weder von NiSi noch von sonst irgendjemand für diesen Bericht bezahlt. Ich bin auch kein Technik Experte. Aber ich will für das viele Geld, welches so ein Filtersystem nunmal kostet, die beste Qualität. Preislich unterscheiden sich die beiden Systeme wenig. Qualitätsmässig zumindest die Verlaufsfilter schon. Während man bis vor wenigen Jahren noch monatelang auf die Lee Filter warten musste, hat sich die Situation heute entspannt. Wenn ich mich zurückerinnere, gab es damals unter Fotografen sowieso nur ein Filtersystem: Lee! Fast jeder schwörte auf dieses System. Zu Beginn hatte ich das System von Cokin und der Qualitätsunterschied nach dem Wechsel zu Lee war gewaltig. Während das Cokin System in meinen Erinnerungen immer einen etwas bräunlich-magenta artigen Farbstich hatte, war es beim Lee immer schön blau, das gefiel mir zu Beginn. Das obere Foto wurde mit dem Verlaufsfilter 0.9 Soft von NiSi gemacht, mit der Sonne im Rücken. Das Ankenballenfoto mit dem Lee Verlauf 0.9 Soft, allerdings am frühen Morgen, noch ohne Sonnenlicht.

Bei diesen beiden Fotos sieht man den Unterschied deutlich. Ok, vielleicht nicht ganz repräsentativ da der Ankenballen in der blauen Stunde aufgenommen wurde, während das Kirschblüten Foto später aufgenommen wurde. Trotzdem, der Blaustich ist so oder so enorm. Die meisten werden jetzt sagen, den Blaustich mache ich in der Bearbeitung mit Photoshop weg. Nur, warum muss ich mir die Mühe machen wenn es auch anders geht. Zudem ist es für Anfänger nicht ganz einfach das Blau zu entfernen, am Himmel oder beim Nebel ist es ja vielleicht erwünscht? In diesem Bereich liegt in meinen Augen der NiSi Verlaufsfilter ganz klar vorne da er die neutraleren Farben hat. Aber die Disziplin "direkt ins Sonnenlicht" fotografieren, da ist der NiSi Verlaufsfilter Weltklasse! Mit dem Lee habe ich das zu Beginn einmal ausprobiert, die reinste Katastrophe, kein Foto brauchbar, alles voller Blendenflecke in jeder Art und Grösse. Leider habe ich davon kein Foto mehr auf der Festplatte. Deshalb liess ich das auch sein und sobald direktes Sonnenlicht vorhanden war, befand sich auf meinen Objektiv kein Filter mehr. Das änderte sich mit dem Kauf des NiSi Systems. Das Leuchtturm Foto unten habe ich mit dem NiSi Verlauf 0.9 Soft gemacht. Es hatte zwar einen kleinen Blendenfleck, der liess sich aber problemlos in der Nachbearbeitung entfernen.

Wie die meisten wissen, liebe ich Langzeitbelichtungen. Mit einem Filtersystem bin ich in der Lage die Dämmerung am Morgen zu verlängern, oder am Abend früher mit dem Fotografieren zu beginnen. Sobald ich Wolken oder Nebel sehe, beginnen meine Augen zu leuchten! Aber meine Lieblingsdisziplin ist ganz klar der fliessende Nebel. Da brauche ich sehr oft die ND Filter, früher den Lee Big Stopper (10x) oder den Little Stopper (6x). Zuerst zu den ND-Filtern von Lee, da habe ich mehr Erfahrung als mit dem NiSi System. In meinen Augen sehr gute Filter, bis auf den Blaustich, aber wenn man sich daran gewöhnt hat sind diese Filter problemlos. Mein erstes Top Foto mit dem Lee System machte ich im November 2014 (Foto unten). Damals hatte ich den Big Stopper und einen Polfilter von Hoya montiert. Den Verlaufsfilter liess ich weg, wegen den obengenannten Problemen. Obwohl die Sonne rechts oben hinter mir war, traute ich mich nicht diese einmalig schöne Szenerie evtl. zu verpfuschen. Roland Moser neben mir hatte den Lee Verlaufsfilter 0.9 Hard zusätzlich zu den anderen Filtern installiert und wie sich auf seiner Version zeigte, ohne Blendenflecke. Meine Vorsicht war also unbegründet.

Noch etwas zur Handhabung der beiden Systeme, da liegt das NiSi System vorne, während man bei Lee für viel Geld einen zusätzlichen Polfilter kaufen kann, oder man benutzt, wenn vorhanden, einen Fremdhersteller so wie ich das machte. Aber, das ist umständlich, da der Filter auf das Objektiv geschraubt wird und danach erst die Filterhalterung montiert wird. Man kann so den Polfilter nur noch mühsam drehen, da man diesen fast nicht mehr greifen kann und meist dreht sich dann der Filterhalter mit. Das hat NiSi viel besser gelöst. Der Polfilter ist im Grundset enthalten und der lässt sich dann problemlos über zwei kleine Rädchen drehen ohne dass sich der Filterhalter mitdreht. Perfekt gelöst! Zu meiner Arbeitsweise mit den ND Filtern. Es gibt immer eine Tabelle mitgeliefert, aus welcher die optimalen Verschlusszeiten zur jeweiligen Situation aufgeführt sind. Ich selber benutze diese nicht, ich mach das immer aus dem Gefühl. Zudem sehe ich ohne Brille sowieso nicht was dort steht und bis ich alles eingestellt hätte, wäre der ideale Moment vorbei. Ich mache das rein aus dem Gefühl heraus. Modus "bulb" , passende Blende und möglichst tiefer ISO Wert. Ich gehe ganz selten über ISO 160 hinaus, weil man sonst auch schon Luminanzrauschen festellen kann sollte die Aufnahme unterbelichtet sein. Ja, ich liebe unterbelichtete Aufnahmen, aber der Grat ist dann relativ schmal zwischen brauchbar und unbrauchbar. Vor allem der fliessende Nebel hat da so seine Tücken! Nikon Vollformatkameras sind da mit ihrem Dynamikumfang einfach genial. Zur Kontrolle werfe ich dann kurz einen Blick auf das Histogramm, dort sehe ich sofort ob die Aufnahme brauchbar ist. Bei den Wolken ist es etwas einfacher. Ich schaue kurz zum Himmel, hat es irgendwo grosse Lücken, was ich nicht brauchen kann. Oder ziehen die Wolken schnell? Das ist jeweils optimal. In etwa so entstehen meine Langzeitbelichtungen. Städtefotografie bei Dämmerung haben dann wieder andere Bedingungen und Einstellungen, und sind meistens ohne Filter. Das folgende Foto wurde mit den NiSi ND 1000 (10x) gemacht, dieser ist analog zum Lee Big Stopper.

Letzten Dezember floss der Nebel tagelang wunderschön über die Jurahöhen. Ich hatte einen Spot ausfindig gemacht wo man den Nebel wunderschön fotografieren konnte. Damit mich niemand für lebensmüde hielt, oder aud dieselbe Idee kam, wartete ich bis alle Besucher von dort oben verschwunden waren. Dann stieg ich den Abhang runter, hielt mich an den zahlreichen Ästen fest und stand bald am Abgrund einer Felswand. Als ich alles montiert hatte, wurde mir schnell klar: Das könnte ein Prachtsfoto geben, aber ich musste gegen die Sonne fotografieren! Aber, da ich wegen der negativen Erfahrungen mit dem Lee Verlauffilter auch nie einen Lee ND Filter montiert hatte wenn ich gegen die Sonne fotografierte. Ich musste es riskieren. Zwei Versuche würden mir bleiben, bevor das Licht im Keller ist. Ich war angenehm überrascht, das Ergebnis mit dem Lee Big Stopper kann sich sehen lassen!

Bis auf den störenden Kranz um die Sonne bin ich sehr zufrieden. Fazit: Der Test gegen die Sonne mit den NiSi ND Filtern steht noch aus, aber ich bin mir sicher dass beide auch in dieser Disziplin überzeugen werden. Beide Filtersysteme haben ihre Vorteile, beim NiSi ist es die einfache Handhabung des integrierten(und entfernbaren) Polfilters, sowie die etwas hochwertigere Filterhalterung. Die Qualität des gesamten System ist beeindruckend, die Farbneutralität sowieso. Der Verlaufsfilter ist wohl konkurrenzlos, er hat mich jedenfalls vollkommen überzeugt. Während der Lee Verlaufsfilter aus Kunststoff ist und somit leicht Kratzer entstehen, ist das gesamte NiSi System aus optischem Glas. Bei Lee sind nur die ND Filter aus optischem Glas, aber beide, Little Stopper und Big Stopper sind meiner Meinung nach sehr gute Filter!

Mein ehemaliges Lee Filterset ( inzwischen verkauft) , praktisch fand ich die beiden Metallboxen für die ND Filter, sie sind sehr stabil, unzählige Kratzer und Dellen auf den Boxen zeugen von meinem manchmal eher rustikalen Umgang mit diesem Zubehör. Unpraktisch die Etuis, sie nehmen viel Platz im Rucksack weg und ich hatte nie ein (bruch)sicheres Gefühl. An einem unserer Workshops ging bei einem Teilnehmer auch schon ein Big Stopper zu Bruch, weil er ihn in diesem etwas schwammigen Etui links aufbewahrt hatte. Im Vergleich die NiSi Verpackung

Die NiSi Aufbewahrungsbox (Zubehör) ist optimal, man hat alle Filter in einer praktischen und stabilen Box, Integriert sind auch Abstandshalter, so kann man auch die kurzen ND-Filter problemlos herausnehmen. Allerdings sieht man beim oberen Foto auch schon etwas eine Verformung der Front, ob das von Beginn weg so war, kann ich nicht mehr beurteilen. Vielleicht sollte ich den Verlaufsfilter in einen hinteren Slot platzieren. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, ich habe in meinem Fotorucksack kein richtiges System und packe einfach mal drauf los. Hier wäre wahrscheinlich Handlungsbedarf nötig. Bis jetzt ging mir aber noch nie irgendein Filter zu Bruch!

An jedem unserer Workshops kannst du das NiSi Filtersystem testen. Leider sind fast alle Workshops ausgebucht, aber am Belchen Workshop im Oktober hat es noch ein paar wenige Plätze. Sicher der optimale Standort wenn es denn Nebel hat um die NiSi Filter in der Praxis zu testen! Du hast schon Lee ND Filter? Behalte sie, sofern du mit dem Blaustich klarkommst. Sie sind von sehr guter Qualität! Stehst du jedoch vor der Entscheidung ein Filtersystem zu kaufen, dann empfehle ich dir das NiSi Filtersystem! Es macht den hochwertigeren und stabileren Eindruck als das Lee System und der Polfilter ist integriert, zudem ist auch der Verlauffilter aus optischem Glas und ein hervorragender Filter um auch gegen die Sonne zu fotografieren, ein "must Have"! Auch die Adapterringe für die meisten Objektivdurchmesser sind inklusive, die muss man bei Lee separat kaufen und sind richtig teuer! Du kannst auch beide Filtersysteme nutzen, die Lee Filter passen in die NiSi Filterhalterungen und umgekehrt. PS: Das sind meine ganz persönlichen Erfahrungen und können von anderen Ergebnissen abweichen. Natürlich gibt es noch andere und sicher auch sehr gute Filterhersteller wie Haida oder Hitech. Ich habe aber mit diesen Herstellern keinerlei Erfahrung. Hier noch die beiden Bezugsquellen der getesteten Filter. NiSi: Kropf Multimedia Lee: Profot Du bist auf der Suche nach einem neuen Stativ? Vielleicht hilft dir dieser Test weiter: Stativtest Gitzo - Manfrotto Über Kommentare freue ich mich immer!

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