• Adrian Wirz

Ayrton Senna: Adeus Campeão


Heute vor 24 Jahren verunglückte der 3-fache brasilianische Formel 1 Weltmeister Ayrton Senna in Imola tödlich. Ein paar Erinnerungen an einen grossen Champion und die Formel 1 Szene von damals.

Ayrton Senna in Monaco 1987. Im Sommer 1983 ermöglichte Frank Williams dem damals 23-jährigen Brasilianer die ersten Formel 1 Testfahrten in Silverstone (GB). Die erste Formel 1 Saison fuhr er 1984 für Toleman-Hart. Damals ein aufstrebendes Team, mit einem von John Hart konstruierten 4-Zylinder Turbo und einem genialen Konstrukteur, Rory Byrne.

Ayrton Senna im Toleman Hart in Silverstone 1984 Schon bald kam seine grosse Stunde, in Monaco 1984. Bei strömendem Regen fuhr er eines seiner unvergesslichen Rennen. Während an der Spitze Fahrer wie Nigel Mansell oder Niki Lauda ihre Wagen in der Leitplanke parkierten, machte Senna Runde um Runde Positionen gut und fand sich auf dem 2. Platz. Nur Prost war noch vor ihm und bereits in Sichtweite. Jedesmal wenn Prost über die Ziellinie fuhr fuchtelte dieser wild mit den Armen und forderte den Abbruch.

Ayrton Senna in Le Castellet (F) 1986. Das Rennen wurde dann auf Geheiss von Jean.Marie Balestre (FISA Boss) abgebrochen, ebenfalls ein Franzose wie Alain Prost. Ein Schelm wer dabei Böses denkt. Mit diesem Balestre hat Senna später noch manchen Zwist ausgefochten, dicke Freunde wurden diese beiden nie. An meine erste Begegnung mit Ayrton Senna mag ich mich noch sehr gut erinnern. Das war 1986 in Le Castellet (F). Wie so oft in diesen Jahren, schmiss ich am Freitag spätestens um die Mittagszeit "die Kelle in die Ecke" und machte mich auf den Weg zu einem Formel 1 Rennen in Europa. Manchmal kam ich gerade noch rechtzeitig zum Arbeitsbeginn am Montag wieder zurück ins Büro. Nach dem Abschlusstraining am Samstag suchte ich mir einen Weg in die Boxen, kletterte über einen Stacheldraht und drin war ich. Stolz spazierte ich zwischen all den VIP's durch und schon bald stand ich vor der Lotus Box. Ayrton Senna wechselte 1985 zu Lotus-Renault, einem damaligen Spitzenteam und konnte in der Zwischenzeit auch schon zwei Grand Prix gewinnen. Auch sein erster GP Sieg 1985 in Estoril (P) einfach sensationell. Er pflügte auch hier im Dauerregen über die Strecke, während es mehr als das halbe GP-Feld von der Strecke spülte. Heute undenkbar dass bei solchen Verhältnissen auch nur ein Formel 1 Motörchen gestartet wird. Interessiert sah ich dem Werken in den Boxen zu, es wurde dunkler und dunkler, eine Box um die andere machte Feierabend. Nur in der Lotus box herrschte noch emsiges Werken. Und immer dabei Ayrton Senna! Während sich die anderen Formel 1 Fahrer schon längst den kulinarischen Genüssen widmeten. Sehr oft kam er zu den rund 10 verbleibenden Personen vor der Box und erfüllte Autogrammwünsche, oder posierte für ein Foto. Ich erinnere mich, dass erst kurz vor Mitternacht die Rollläden in der Lotus Box heruntergelassen wurden. Leider flog Senna im Rennen gleich in der ersten Runde von der Strecke, unmittelbar vor meinem übersichtlichen Stehplatz kriechte er unter den Reifenstapeln und Maschendrahtzaun hervor.

Ayrton Senna 1986 in Ungarn. Viel Aufmerksamkeit wurde dem damals ersten Ostblock Grand Prix in Ungarn 1986 überall in den Medien geschenkt. Ich wollte natürlich dabei sein. Einen letzten grossen Ausflug wollte ich meinem alten Renault noch schenken, der fabrikneue, turbobefeuerte Renault war schon seit Mai beim Händler bestellt! Am Freitagmorgen kam der Anruf vom lokalen Renault Händler "Dein Turbo ist da, kannst ihn morgen abholen" Ups, jetzt war ich in der Zwickmühle! Aber da ich den Neuen ja am Morgen abholen kann, sollte das reichen für eine Ausfahrt nach Ungarn. Schon um die Mittagszeit an diesem Samstag befand ich mich auf der Überholspur Richtung Budapest, alles verlief reibungslos, das Turbomotörchen pfiff bei jedem Gasstoss friedlich vor sich hin.....bis zum Grenzübergang nach Ungarn, dort stoppte mich ein Zöllner und verlangte das Visum. Hmmm......hatte ich aber nicht! Aber er war so entzückt über meinen roten Flitzer mit grossem "Turbo" Schriftzug auf den Seiten, dass ihm meine Absicht schnell klar war und er mir freundlicherweise einen Stempel in meinen Pass drückte! Aber in Ungarn klappte es nicht mit dem in die Boxen schleichen, zuviele Aufpasser. So suchte ich mir den passenden Standort um zu fotografieren. Ich fand diesen in der Nähe der Boxeneinfahrt, hier mussten die Autos abbremsen, falls sie die Box aufsuchen wollten. So gelang mir mancher Schnappschuss. Senna beendete diesen ersten Ostblock Grand Prix auf dem 2. Platz hinter seinem Landsmann Nelson Piquet im Williams Honda. Trotz mehrmaliger Versuche gelang es ihm nie sich auf der sehr kurvenreichen Strecke an Piquet vorbeizudrücken. Am Montagmorgen war ich wieder im Büro und telefonierte dem Renault Händler um den ersten Ölwechsel anzumelden! Ich muss heute noch schmunzeln über seine Reaktion: " Nein du musst erst bei 2000 km den ersten Ölwechsel machen, dann ist der Motor eingefahren..." Ich erklärte ihm dass ich aber jetzt schon rund 2500 km auf der "Uhr" habe.

Für mich war das Jahr 1986 das faszinierendste Jahr der Formel 1, die PS Zahlen stiegen bei jedem Rennen um ca. 25-30 PS. Ende Saison hatte der Renault Turbo im Lotus 1500 PS mit den damaligen 1500 cm³ Motoren und 5.5 Bar Ladedruck bei einem Gesamtgewicht von 540 kg. Zum Vergleich: mein damaliger Turbo hatte gerade mal 0.65 bar Ladedruck bei ebensovielen Kubikzentimeter Hubraum. Später erhöhte ich den Ladedruck auch "geringfügig". Mein Garagist merkte das natürlich und erklärte mir mit Entsetzen: "Du verlierst die Garantie!" ...war mir schon bewusst..... Was vielen aber heute nicht bewusst ist, praktisch jedes Auto besitzt heute einen Turbolader, nur das damals berühmte Turboloch, ist kaum mehr spürbar. Was ist ein Turboloch? Du stehst voll auf das Gaspedal, im ersten Moment passiert nicht viel, dann nach einer (Gedenk)Sekunde setzt der Schub mit Gewalt ein! Meine Reifen dankten es jeweils mit knapp 4000 km Laufleistung Viele Formel 1 Fahrer jammerten das diese Autos nicht mehr fahrbar sind, einen Senna hörte ich nie jammern. Eine Szene hat sich mir besonders eingebrannt. Ich stehe an der Steigung auf der Start-Zielgerade in Le Castellet, Keke Rosberg kommt um die 1. Gang Kurve und beschleunigt die Steigung hoch, bei jedem der 5-Gangwechsel ein Megaknall aus dem Auspuff gefolgt von einer Stichflamme, das Heck droht jedesmal auszubrechen ob der unbändigen Kraft des Porsche Turbo Motors, völlig ungerührt knallt er die Gänge rein und stürmt mit ausbrechendem Heck den Hügel hoch. Im darauffolgenden Jahr wurden die Turbos in der Formel 1 eingebremst mit dem Pop Off Valve, welches nur noch einen Ladedruck bis 4.0 Bar zuliess und 1988 sogar nur noch 2.5 Bar. Ab 1989 waren nur noch Saugmotoren zugelassen. Mit dem Formel 1 Virus wurde ich schon in früher Kindheit infiziert, ich mag mich noch an den regnerischen Sonntag im April 1968 erinnern als Jim Clark auf dem Hockenheimring tödlich verunglückte. Im selben Jahr sah ich zum ersten Mal live einen Formel 1 Wagen in Action. Beim Bergrennen Saint Ursanne-Les Rangiers war Jo Siffert mit seinem Lotus am Start. Unvergesslich wie er da auf nasser Strasse mit Bleifuss Richtung S-Kurve hochdonnert und nach ein paar Sekunden im Wald verschwand. Das war rund einen Monat nach seinem ersten GP Sieg in Brands Hatch. Auch er verunglückte 3 Jahre später tödlich, auf genau diesem Kurs in England wo er als erster Schweizer einen GP Sieg erringen konnte. 3 Weltmeisterschaften, 41 GP Siege und 65 Pole Positions konnte Ayrton Senna bis zu jenem tragischen 1. Mai 1994 feiern.

Heute wird von jenem schwarzen Wochenende in Imola 1994 gesprochen. Es begann mit einem Abflug von Rubens Barrichello im freien Training am Freitag, welcher mit einem Spitalaufenthalt endete. Dann kam der Samstag und das Abschlusstraining. Der Österreicher Roland Ratzenberger war erst Anfang Saison in die Formel 1 eingestiegen. Er verlor die Kontrolle über seinen Simtek, an einer der schnellsten Stellen in Imola und prallte ungebremst in die Mauer. Er war sofort tot. Der folgende Sonntag, der 1. Mai 1994, es war ein Frühsommerlicher Tag. Gleich beim Start knallte es im hinteren Feld und das Rennen wurde durch das Safety Car neutralisiert. Unglaublich aber wahr, das Safety Car war ein normaler Opel Vectra, bei welchem die Bremsen schon nach 2 Runden mit Höchsttempo wirkungslos waren. Ayrton Senna fuhr als Führender kurz neben das Safety Car, um dem Fahrer zu signalisieren schneller zu fahren. Das war diesem aber nicht mehr möglich und die Reifen der Formel 1 Autos dahinter kühlten bedenklich ab. Kalte Reifen-keinen Grip mehr. Nach dem fliegenden Neustart setzte der dahinterliegende Michael Schumacher Senna mächtig unter Druck. In der zweiten Runde verlor Senna die Kontrolle über seinen Williams-Renault und flog in der Tamburello Kurve mit über 300 km/h ab, es gelang ihm noch das Auto auf knapp 200 km/h zu bremsen, er flog aber in spitzem Winkel in die Mauer und ein Teil der rechten Vorderrad Aufhängung durchbohrte seinen Helm und fügte ihm tödliche Verletzungen zu. Ayrton Senna: 21.03.1960 - 01.05.1994 Verschiedene Theorien kursieren was schlussendlich zum Unfall geführt haben könnte. Meine Version: Der Williams war nicht mehr das führende Formel 1 Auto wie noch die Jahre zuvor. Benetton mit Michael Schumacher hatten mächtig zugelegt, ob legal wird sich nicht mehr beweisen lassen. Ich vermute illegal. Ayrton Senna war mächtig unter Druck, er konnte die ersten beiden Rennen dieser Saison jeweils aus der Pole Position in Angriff nehmen, kam aber bei beiden Rennen nicht ins Ziel. Michael Schuhmacher gewann beide Grand Prix. Ich behaupte, der Williams verlor bei der Tamburello Kurve den Anpressdruck und dadurch auch die Bodenhaftung. Auch für mich waren damit die Live Besuche (fast) vorbei, einen Monat später wurde mein Sohn geboren und es gab Wichtigeres als röhrende und lärmende Formel 1 Motoren. Ich verfolgte zwar die Rennen immer noch im Fernsehen, so einfach lässt sich dieses Virus nicht vertreiben. Ein Jahr später, beim Grand Prix von Deutschland in Hockenheim war ich wieder vor Ort. Ich erinnere mich wie neben mir ein paar Schumi Fans jede Menge Bier kippten und im Vollsuff dumm herumlaberten, ihr Geschäft verrichteten sie gleich auf der Tribüne. Ich fragte mich was ich hier eigentlich mache? Ich besuchte bis zum heutigen Tag nie mehr einen Grand Prix.

Ayrton Senna in Monaco 1989

Als ich die ersten Streifzüge zusammen mit Roland am Bölchen unternahm, wollte er immer das ich ein Stativ benutze. ( Ich hatte sogar eines aus dem Sonderangebot, Marke "Klapperwackel") Für mich waren Stative etwas für "Warmduscher", ich wollte einen alten Reifen wo ich das Zoom auflegen konnte, Weitwinkelobjektive waren mir damals sowieso suspekt, man sieht ja nix auf dem Foto! Ich war es jahrelang gewohnt mit ölverschmiertem Gesicht und mit Reifenabrieb auf den Armen zu fotografieren. Heute fotografiere ich am liebsten mit Rauhreif auf dem Gesicht und mit von der Kälte gefühllosen Händen. Was ist geblieben? Jede Menge Fotos, viele davon wurden in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern veröffentlicht. Und im Gegensatz zu heute wurde damals noch richtig Gage bezahlt. Kontakte zu Fotografen von damals habe ich heute nur noch zu jemandem aus Deutschland. Aber viele interessante Begegnungen mit Fotografen aus ganz Europa bleiben unvergesslich. Damals schrieb man Briefe: " Hallo XXX, bist du dieses Jahr in Spa? Wenn ja reservier mir doch den Platz gleich hinter dem Reifenstapel am Ende der Eau Rouge, du weisst schon......" Ja es waren wirklich interessante Fotografenkontakte. Heute schaue ich auch noch ab und zu Formel 1 Rennen, meistens schlafe ich schon kurz nach dem Start ein. Aber einen Bezug dazu habe ich nicht mehr. Du möchtest meinen Blog abonnieren? Schreib einfach untenstehenden Link in deinen News Reader und du bist immer sofort informiert sobald ein neuer Blog online ist. Kopieren geht leider nicht da die ganze Website Copyright geschützt ist: https://www.adrian-wirz.com/feed.xml

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