• Adrian Wirz

Im Fokus: Andreas Gerth


Andreas Gerth, ein erfolgreicher Landschaftsfotograf mit Ostschweizer Wurzeln, heute in Basel wohnhaft. Ich denke die meisten kennen seine fantastischen Landschaftsfotos und Basler Stadtansichten aus Büchern oder von Postkarten oder durch Facebook.

Wo wohnst du und wie hast du zur Fotografie gefunden?

Aufgewachsen in der Ostschweiz, wohne ich seit über 20 Jahren in der Region Basel. Viele Jahre in der Stadt selber – mittlerweile in Binningen.

Zur Fotografie habe ich schon in frühen Jahren gefunden, da auch meine beiden Brüder diesem Hobby nachgingen. Entscheidend war aber wohl mein beinahe einjähriger Aufenthalt 1985 in den USA und Kanada. Natürlich hatte ich meine Kamera dabei und ich fotografierte sehr viel. Wieder zu Hause, waren die meisten Fotos unterbelichtet und nicht zu gebrauchen. Wahrlich kein guter Start für eine Fotografenkarriere... Einige wenige Bilder waren glücklicherweise korrekt belichtet und eines davon schaffte es auf die Titelseite einer Zeitschrift. Seit diesem ersten Erfolgserlebnis ist die Fotografie die konstante Begleiterin in meinem Leben. Mit welcher Kamera und Objektiven fotografierst du? Als Dia-Fotograf arbeitete ich mit den Profimodellen von Nikon. Bei der Umstellung auf die Digitalfotografie entschied ich mich für die Canon EOS-1 Ds Mark III, die damals beste Vollformat-Kamera. Leider war es auch die teuerste! Da ich einen solchen Systemwechsel nicht jedesmal vollziehen kann, wenn ein anderer Hersteller ein neues Modell herausbringt, fotografiere ich immer noch mit Canon. Allerdings benutze ich heute die Canon EOS-5 DS R. Dazu verwende ich die Canon-Objektive 11–24mm, 24–70mm und 70–300mm. Eigentlich spielt es keine Rolle, mit welchem System man fotografiert. Man muss sein Arbeitsgerät kennen und wissen, wie man damit am besten umgeht. Das gilt auch für die Bildentwicklung: Wenn man über die Vor- und Nachteile der eigenen Kamera Bescheid weiss, kann man auch die Entwicklung entsprechend anpassen. Natürlich ist die Landschaftsfotografie ein wichtiger Bestandteil meines fotografischen Schaffens. Nicht ohne Grund fotografierte ich 5 Jahre lang alle 162 Schweizer Landschaften von nationaler Bedeutung („Naturerbe der Schweiz“, Haupt Verlag). Die reine Landschaftsfotografie ist bei mir nach diesem Mammutprojekt etwas in den Hintergrund gerückt. Einerseits wird man mittlerweile überflutet mit Landschaftsbildern und Motive, welche vor ein paar Jahren noch als „Geheimtipp“ galten, sind mittlerweile so oft fotografiert worden, dass sie für mich ein bisschen ihren Reiz verloren haben. Andererseits lebe ich von der Fotografie und es stellt sich immer die Frage, kann ich dieses Bild verkaufen? Wenn ich fotografiere, überlege ich immer auch wie und wo ich das Motiv verwenden kann. Das tönt jetzt ziemlich abgebrüht und unromantisch, aber es ist nun mal der Alltag. Natürlich muss ich von diesem Standpunkt her auch die bekannten Spots fotografieren. Umso grösser ist die Herausforderung, ein Bild zu machen, das in der Masse nicht untergeht. Als Berufsfotograf ist es wichtig, dass man sich immer weiterentwickelt und sich auch anderen, neuen Themen widmet. Für mich liegt daher in der Städtefotografie ein weiterer Schwerpunkt. Ich mag es, dieses Chaos, das einen in der Stadt umgibt zu ordnen und in ein Bild umzusetzen. Ausserdem mag ich Architektur in den verschiedensten Ausführungen und versuche, sie nach meiner Sichtweise darzustellen. Etwas, das ich mit Sicherheit nie fotografieren werde, sind Hochzeiten. Ich habe absolut keinen Draht zu diesem Thema und ich kenne einige Kollegen, die dies hundert Mal besser machen als ich es könnte. Allgemein habe ich keinen grossen Bezug zur People-Fotografie. Welches sind deine drei schönsten Fotos? Eigentlich mag ich immer das aktuelle Foto am meisten. Aber es gibt schon ein paar Bilder, die ich mir immer wieder gerne ansehe oder deren Entstehung besonders war.

Ich mag dieses Bild aus zwei Gründen: Zum einen weil mich die Szene mit dem warmen Licht und den bewaldeten Hügeln eher an Spanien oder Frankreich als an die Schweiz erinnert und ich gerne grafische Elemente in die Landschaft einbinde – wie hier die Strasse. Zum anderen weil dieses Foto sehr aufwändig entstanden ist. Ich musste einen grossen Karton weit vorne über das Objektiv halten, damit es keinen störenden Lichteinfall gab – glücklicherweise hat mich niemand in dieser etwas unvorteilhaften Pose gesehen... Zudem schwirrten Tausende kleine Mücken in der Luft umher. Jeder Fotograf weiss, was das bei Gegenlicht bedeutet... (nämlich viel Arbeit bei der Bearbeitung)

Dieses Foto ist mein liebstes Beispiel für ein geplantes Bild. Ich war schon einige Male bei diesem Wasserfall und kannte daher die Umgebung. Die Schwierigkeit war nun, alle Bildelemente im richtigen Zeitpunkt zusammenzuführen. Ich musste vorher mit Hilfe von Testaufnahmen die Stelle herausfinden und markieren, an der ich später hinstehen sollte. Ausserdem musste ich die Kamera so platzieren, dass in der Zeit während ich unten stand, die Sonne hinter dem Baum hervorkam und den perfekten Sonnenstern bildete.

Als es im Januar dieses Jahres so richtig kalt war und zudem eine starke Bise über die Westschweiz fegte, fuhr ich kurzentschlossen nach Genf. Ich hoffte, dass die Gischt den Hafen in eine Eislandschaft verwandelt hatte. Die Vereisung war zwar nicht so stark wie ich erwartet hatte, doch fand ich trotzdem einen Standort, der für meine Bildidee geeignet war. Ich kletterte über die mit Eis bedeckten Steine und harrte dort frierend drei Stunden aus. Ich war nämlich nicht der einzige, der dieses Motiv fotografieren wollte – aber ich hatte den besten Standort und den wollte ich nicht preisgeben! Durch die blaue Gesamtstimmung kommt die Wirkung des Leuchtturms noch stärker zum Ausdruck. Sicher hast du auch spannende Erlebnisse während deiner Foto-Touren erlebt? Natürlich habe ich schon einiges erlebt während meinen Ausflügen. Ein Erlebnis hat sich mir aber besonders eingeprägt, obwohl es nun schon ein paar Jahre her ist: Ich wollte frühmorgens die Eisschollen auf dem Totensee fotografieren. In einem Anflug von Leichtsinn (heute würde ich sagen Dummheit) wollte ich auf eine Eisscholle springen um zu einem besseren Fotostandort zu kommen. Sie kippte jedoch als ich auf ihr landete und ich fiel ins eiskalte Wasser. Reflexartig warf ich die Kamera an Land und schaffte es, mit Müh’ und Not auf eine benachbarte Scholle und anschliessend an Land zu klettern. Was fasziniert dich an der Landschaftsfotografie? Einerseits sind es die unendlich vielen Motive, welche die Landschaft uns Fotografen bietet. Andererseits gefällt mir auch die Herausforderung, mit den vorhandenen Gegebenheiten auskommen zu müssen und ein Bild zu komponieren. Ich kann nicht wie in der People- , Werbe- oder Sachfotografie das Bild arrangieren. Die Landschaft ist vorgegeben – ich kann aber mittels Standortwahl, Tageszeit und Lichtverhältnissen ein eigenes Bild kreieren. Gibt es ein Land welches du unbedingt mal besuchen möchtest? Eigentlich nicht – ich bin früher viel gereist und bin mittlerweile sehr sesshaft geworden. Mein Arbeitsgebiet ist die Schweiz und hier gibt es noch genügend Motive für mich. Welches Motiv fehlt dir noch in deinem Portfolio? Ich habe ein ganz bestimmtes Bild vom Matterhorn im Kopf, welches ich irgendwann noch machen möchte. Dafür müssen aber ganz bestimmte Wetter- und Lichtbedingungen erfüllt sein und bislang war dies noch nicht der Fall... Hast du schon mal einen Workshop besucht? Ich habe bis jetzt noch keinen Workshop besucht, bilde mich jedoch regelmässig bei einem professionellen Bildbearbeiter weiter. Gibt es eine oder mehrere Personen welcher/en du an dieser Stelle ein ein "Herzliches Dankeschön" aussprechen möchtest? In erster Linie möchte ich mich bei meiner Frau bedanken. Sie unterstützt mich seit vielen Jahren und ist meine ehrlichste Kritikerin. Dann möchte ich mich auch bei meinem Bruder Roland Gerth www.rolandgerth.ch bedanken. Er begleitet mich schon durch mein ganzes Fotografenleben. Die Website von Andreas Gerth: andreasgerth.com Ganz Herzlichen Dank Andreas für dieses interessante Interview! Du möchtest meinen Blog abonnieren? Schreib einfach untenstehenden Link in deinen News Reader und du bist immer sofort informiert sobald ein neuer Blog online ist. Kopieren geht leider nicht da die ganze Website Copyright geschützt ist https://www.adrian-wirz.com/feed.xml