• Adrian Wirz

Im Fokus: Marco Savoldelli


Heute mit Marco Savoldelli, einem Fotografen aus dem Oberbaselbiet. Mit ihm hat man immer sehr viel Spass in der Natur. Sein Spezialgebiet ist die Tierfotografie und besonders seine wunderschönen Vogelfotos haben es mir angetan.

Erzähl uns doch etwas über dich, wo du wohnst, wie hast du zur Fotografie gefunden?

Als Sohn italienischer Eltern bin ich vor 53 Jahren in 3. Generation im Baselbieter Kantonshauptort Liestal geboren und aufgewachsen. Es hat mich später nie in die Stadt gezogen, sondern in die andere Richtung in den oberen Kantonsteil. Heute wohne ich in Ormalingen, im Grünen, wo man auftanken kann, zusammen mit meinen zwei Söhnen (15 & 18).

Schon als Kind habe ich mit der „Kodak Retinette“ rumgeknipst und als ich im Gymnasium das Freifach „Fotografie“ belegte, hab ich mir meine erste Spiegelreflex gekauft: eine Konica T4. Zusammen mit einer Schulkollegin waren wir oft auf der Pirsch und in der Dunkelkammer und haben in Schwarzweiss rumexperimentiert. Eine andere Schulkollegin musste als Model herhalten und aus Büchern lernte ich die Grundschritte der Fotografie kennen.

Durch Sport, Familie, und Beruf haben sich dann die Prioritäten verlagert und ich kam weg von der schweren Ausrüstung. Ich wurde zum „Knipser“. Vor einigen Jahren fand ich dann glücklicherweise zu diesem wunderschönen Hobby zurück, zusammen auch mit dem Wunsch, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und das Tempo aus meinem Leben herauszunehmen. Mit einem Macroobjektiv und einer neuen digitalen Spiegelreflexkamera schärfte ich meinen Blick für die kleinen Geschöpfe und für die Details. Sehr schnell weitete ich mein Spektrum an Motiven aus und entsprechend wuchs auch die Ausrüstung.

Meine Fotos mache in erster Linie für mich, aber auch für jene, die sich beim Anblick eines schönen Tieres freuen können und deshalb habe ich vor einem Jahr eine einfache Homepage erstellt (Link siehe am Ende des Interviews) Mit welcher Kamera und Objektiven fotografierst du zur Zeit? Mittlerweilen habe ich meine Fotoausrüstung für meine Bedürfnisse komplettiert. Ich arbeite mit 2 Gehäusen von Canon (5D Mk III und 7D Mk II), dazu habe ich ein 100er Macro ein 24-105mm, ein 100 - 400mm und ein 500er Festbrennweite. Bedingt durch meine Vorlieben benutze ich aber v.a. die längeren Brennweiten. Gibt es Fotomotive die du bevorzugst und solche die du eher weniger magst? Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu fotografieren, gehört ganz klar zu meiner Lieblingsbeschäftigung. Und dazu gehört auch das „sich erarbeiten“ eines bestimmten Motivs. Also der Weg ist oft das Ziel! Das Ganze beinhaltet auch einen Lernprozess über die Arten, die ich fotografieren möchte. Vögel haben es mir besonders angetan! Ich besuche zur Zeit eine Ornithologieausbildung, um mehr über die verschiedenen Arten zu erfahren. Da ich kein Problem damit habe, stundenlang alleine im Wald vor einem Fuchsbau zu warten, kommt mir diese Art von Fotografie sehr entgegen. Beobachten, Verhaltensmuster studieren, sich tarnen, um dann im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu sein, das gefällt mir! Es hat zweifelsohne auch etwas Meditatives an sich.Landschaftsfotografie mag ich natürlich auch sehr gerne, spezielle Lichtstimmungen oder Wasserläufe in lauschigen, moosbewachsenen Wäldern gehören dabei sicher zu den Lieblingsmotiven. Aber im Gegensatz zur Wildlife-Fotografie kommt man da vielleicht eher in Versuchung, Motive aufzusuchen und abzulichten, die von anderen Fotografen schon zig Mal fotografiert wurden. Bei den Tieren ist jedes Bild einzigartiger, persönlicher. Es ist dann „mein“ Fuchs oder mein Specht, den ich erwischen konnte.Was ich eher nicht mag, sind Model-Shootings und Fotografieren von starren Indoormotiven oder von gestellten Situationen (Stilleben). Das hat nicht damit zu tun, dass mir das nicht gefällt, sondern damit, dass ich erstens das nötige Knowhow nicht habe und zweitens die nötige Kreativität fehlt. Welches sind deine drei schönsten Fotos? Das ist vermutlich für jeden Fotografen eine schwierige Frage, denn viele Fotos haben ihre ganz eigene und spezielle Geschichte. Zu den Lieblingen gehören sicher meine besten Eisvogelbilder oder Fotos vom Seeadler in Action oder das Familienleben der Flussseeschwalben hautnah mitverfolgt und fotografisch dokumentiert zu haben. Aber aus aktuellem Anlass sicher auch Bilder von den Jungfüchsen, weil sie eine grosse Vorarbeit erfordert haben. Generell kann man natürlich sagen, dass Bilder von Jungtieren am Nest oder am Bau eine extreme Befriedigung hinterlassen.

Junger Fuchs

Eisvogel

Seeadler

Sicher hast du auch spannende Erlebnisse während deiner Foto-Touren erlebt, erzähl uns doch etwas davon. Spannend, aber vor allem erfreulich war für mich eine spezielle Situation, als ich am Blütenzauber-Workshop von Adrian und Roland auf ein Wasseramselnest gestossen bin und ganz plötzlich die ganze Aufmerksamkeit der Teilnehmer hatte, die sich für die Fütterung am Nest interessierten. Ich konnte ein paar bescheidene ornithologische Informationen loswerden und die Fotografen für ein solches Motiv begeistern. Ist mir jedenfalls so vorgekommen und es war in keinster Weise meine Absicht, dem Workshop dazwischen zu funken. Im Gegenteil: ich finde, es hat dem Tag bereichert und gezeigt, dass man mit der nötigen Aufmerksamkeit, wunderschöne Dinge entdecken kann. (Anmerkung von Adrian Wirz: ich denke keiner der Teilnehmer hat der Wasseramsel grosse Beachtung geschenkt, sofern sie überhaupt jemand gesehen hat. Ich danke dir für deine interessanten Details zu dem Vogel des Jahres 2017.) Hier noch ein Foto von dieser Szene:

Was fasziniert dich an der Tier- und/oder Landschaftsfotografie?

Die meisten Gründe, wieso mich diese Art von Fotografie begeistert, habe ich schon weiter oben angegeben. Es geht für mich nicht nur darum, ein schönes Foto von einem scheuen, seltenen Tier zu schiessen, sondern v.a. auch darum, etwas über die Art zu lernen und dabei immer wieder festzustellen, wie wunderbar die Natur ist und wie alles ineinander hineinspielt. Der Kreislauf des Lebens widerspiegelt sich immer wieder auf’s Neue im Verhalten der Wildtiere. Du bist ja auch oft auf Reisen, gibt es ein Land welches du unbedingt mal besuchen möchtest? Auch da gäbe es natürlich sehr viele Länder, die man in seinem Leben einmal bereisen möchte. Dabei müssen es für mich nicht unbedingt exotische Destinationen sein. Sehr interessant finde ich die nördlichen Länder Europas, wo die Natur noch Platz hat und viel Freiraum bietet für alle möglichen Tierarten.Vielleicht eines meiner exotischsten Traumdestinationen ist sicher das Pantanal in Südamerika. Fasziniert von den schönen Bildern, die ein Fotografenkollege von mir auf seiner Reise dorthin gemacht hat, ist dieser Wunsch seither in meinem Hinterkopf. Welches Motiv fehlt dir noch in deinem Portfolio? Ojeeeemineee!!! Was soll ich dazu sagen? Kein bestimmtes und doch viele! Die Artenvielfalt im Wildlife ist so gross, da geht einem die Arbeit nicht aus. Ich verdeutliche es mal anhand der Vögel: es gibt weltweit ca. 10’350 Vogelarten. Davon brüten nur gerade mal 200 in der Schweiz und 420 leben in Europa. Der Rest verteilt sich auf Asien, Afrika und Amerika. Und jeder einzelne ist auf seine Art einzigartig und faszinierend.Wenn ich aber etwas nennen muss, dann wünschte ich mir schon mal etwas Eulenartiges bei den Vögeln vor die Linse zu bekommen oder etwas Seltenes, wie einen Wolf oder einen Luchs in freier Wildbahn. Hast du schon mal einen Fotoworkshop besucht (wenn ja bei wem und konntest du davon profitieren?) Ich war schon mehrmals mit Adrian und Roland Bill Moser unterwegs und man lernt dabei immer etwas. Den Einsatz von Filtern in der Landschaftsfotografie habe ich bei ihnen gelernt. Das ist halt etwas, was man bei Tierfotos weniger braucht. Aber am meisten profitiert man vom Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmern. Ganz zu schweigen davon, dass solche WS meistens auch einen sehr geselligen Charakter haben. Gibt es eine oder mehrere Personen welcher/n du an dieser Stelle ein „Herzliches Dankeschön“ aussprechen möchtest? Ja ich danke dir Adrian, dass du mir diese Ehre zukommen lässt, bei deinen Interviews mitzuwirken. Und danke auch für deine ruhige Art, die einem Fotografen sicher entgegenkommt. Danke auch meinem Foto-Buddy Marco Rufer. Wir ticken sehr ähnlich, können lange Ansitze ertragen, ohne das wir aufeinander losgehen und ich hoffe, dass wir noch ein paar Projekte zusammen realisieren können. (www.rufi-photography.ch) Danke auch Susi Venditti! Du hast den künstlerischen Blick und die Feinfühligkeit einer Frau. Siehst Dinge, die nicht jeder sieht. Du kannst verschiedenste Techniken anwenden, probierst aus und kannst Natur abstrakt und kunstvoll darstellen. Du bist ganz einfach eine Powerfrau. Die Website von Marco : savoldelli-photography.ch Vielen Dank Marco für diesen interessanten Einblick! Du möchtest meinen Blog abonnieren? Schreib einfach untenstehenden Link in deinen News Reader und du bist immer sofort informiert sobald ein neuer Blog online ist. Kopieren geht leider nicht da die ganze Website Copyright geschützt ist. https://www.adrian-wirz.com/feed.xml


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