• Adrian Wirz

Im Fokus: Dirk Jürgensen


Dirk Jürgensen, ein Landschaftsfotograf aus Norddeutschland. Seine Fotos betrachte ich jeweils mit besonderem Interesse, viel Wasser, traumhafte Sonnenuntergänge und auch weil die Norddeutsche Landschaft so anders ist als das Baselbiet wo ich zuhause bin.

Erzähl uns doch etwas über dich, wo du wohnst, wie hast du zur Fotografie gefunden?

Ich lebe in Kiel in Schleswig-Holstein, bin hier geboren, hier verwurzelt und möchte auch nie wegziehen. Ich mag die Menschen hier, ihren eher leisen, zur Ironie neigenden Humor, die Landschaft zwischen den beiden Meeren, die Weite und - für viele unverständlich - auch das kühle, häufig griesgrämige Wetter.

Mit der Fotografie bin ich groß geworden - bereits mit 2 Jahren saß ich in der Dunkelkammer auf dem Schoß meines Vaters und blickte gespannt auf die sich langsam aus dem Nichts herausbildenden Schwarz-Weiß-Bilder in der Entwicklerschale. Faszinierend. Diese Faszination hat mich nie wieder losgelassen. Box, Pocket-Kamera, Kleinbildsucherkamera, Spiegelreflex, 2-äugige Rollei - das war über die Jahre mein Weg. Bei der Rolleiflex bin ich lange Zeit bis zum Umstieg auf digital hängengeblieben. Mit welcher Kamera und Objektiven fotografierst du zur Zeit? Spiegellos, EOS M5 und Objektiven mit Brennweiten von 11 bis 200 mm (17 - 320 mm KB).Klein, leicht und wenn notwendig, kann ich die gesamte Ausrüstung in der Fotoweste unterbringen. Gibt es Fotomotive die du bevorzugst und solche die du eher weniger magst? Ich bin Landschaftsfotograf und fotografiere nur Sachen, die nicht vor mir weglaufen können (von Wanderdünen mal abgesehen). Wenn in meinen Bildern hin und wieder Tiere auftauchen, dann eher nicht geplant, sondern durch Zufall und dann auch eigentlich immer als Bestandteil der Landschaft.Faszinierend finde ich auch Street- und (in sehr engen Grenzen mit hohen Maßstäben) Portraitfotografie. Beides kann ich nicht und mache es deshalb auch nicht, reizvoll anzusehen ist es aber.Keinen Bezug habe ich zu dem, was häufig als "creative edit" benannt wird, zu Bildern, die am Rechner zusammengebastelt werden. Welches sind deine drei schönsten Fotos? Du kannst ja richtig schwierige Fragen stellen... Ich weiß nicht so recht, was ein "schönes Foto" ist. Ich kann höchstens sagen, welche Bilder ich jetzt, im Moment, am meisten mag. Das kann morgen schon wieder ganz anders sein, und übermorgen erst recht. Ist wie mit der Musik, auch da wechseln meine Favoriten ständig. Insofern kann ich auch nicht sagen, warum mir im Moment ein Bild besonders gefällt. Hat wohl viel mit der Stimmungslage zu tun. Seine Gefühle zu begründen ist immer ein heikles Unterfangen. Die Bilder "Lost in Thought" - ich glaube, mein einziges Bild mit einem Menschen drin, "Patience" und "One fine Evening" sind meine derzeitigen Favoriten.

Lost in Tough

Patience

One fine Evening Sicher hast du auch spannende Erlebnisse während deiner Foto-Touren erlebt, erzähl uns doch etwas davon. Vor vielen Jahren, auf meiner ersten USA Reise, wollte ich im Death Valley den Sonnenaufgang am Zabriskie Point fotografieren, bin also verdammt früh aufgestanden und war lange vor Sonnenaufgang vor Ort. Ich war am Aussichtspunkt mutterseelenallein und genoss die absolute Stille und die Aura dieses einzigartigen Ortes. Damit war es allerdings schlagartig vorbei, als ein ankommender Kleinbus seine Fotografen-Ladung entließ. 11 Leute, jeder mit einer Mittelformatkamera eines bekannten dänischen Herstellers. Plus ein Drill Instructor. Fünf Leute bauten sich und ihre Ausrüstung laut lärmend rechts von mir auf, fünf links von mir und einer - Halloooo??? - direkt vor mir. Das eine Pflichtbild hab ich dann noch gemacht, aber meine gute Laune hatte einen gehörigen Knacks bekommen. An vielen weiteren Hotspots in unterschiedlichen Ländern bin ich immer wieder auf eine große Anzahl von Fotografen gestossen, die alle ihre Kamera zur gleichen Zeit auf das gleiche Ziel gerichtet hatten. Mich hat das nachdenklich gemacht. Wodurch sollen sich meine Bilder von diesen Orten noch auszeichnen? Wen interessieren noch meine Bilder von Motiven, die bereits hunderttausendfach abgebildet und verfügbar sind? Muss auch ich in Patagonien noch den Torres del Paine fotografieren? Muss auch ich zur Polarlichtfotografie auf die Lofoten? Im Laufe der Zeit bin ich immer mehr zu der Erkenntnis gekommen, solche Hotspots nicht mehr vornehmlich anzusteuern, sondern meine Motive bevorzugt im weiteren Umkreis meines Heimatortes zu suchen. Hier kenne ich mich aus, finde auch den Reiz der Orte, an denen Nichteinheimische vorbeilaufen, kann auf interessantes Licht und Wetter kurzfristig reagieren. Das heisst nicht, dass ich nicht mehr reise. Aber ich reise dann eher zu ungewöhnlichen (Jahres-)Zeiten zu nicht so tot-fotografierten Orten. Was fasziniert dich an der Landschaftsfotografie? Mich fasziniert es, eine Landschaft kennen zu lernen, sie zu verstehen, sie zu begreifen. Erst dann haben meine Bilder auch einen echten Wert für mich. Eine (mir) neue Landschaft zu fotografieren bedeutet in der Regel eine längere Vorbereitung. Ich lese viel über die Gegend, mich interessiert ihre Entstehung, ihre Geschichte, Flora, Fauna und die dort lebenden Menschen. Das eigentliche Bild ist dann der Abschluss des Prozesses. Gibt es ein Land welches du unbedingt mal besuchen möchtest? Nein, denn "unbedingt" heisst ja "ohne Bedingung". Und gewisse Grundbedingungen stelle ich an jede meiner Reisen. Ich werde aber demnächst mal anfangen, mich intensiver mit Grönland zu beschäftigen. Welches Motiv fehlt dir noch in deinem Portfolio? Adrian, die Frage kann ich nicht spontan und vermutlich auch nicht nach längerem Nachdenken beantworten. Aber es gibt sicher nicht "das" Motiv. Wunschmotive (Plural) entwickeln sich während der Vorbereitung.Obwohl - ein F5 Tornado von unten mit dem Weitwinkel - das wäre schon was... Aber wahrscheinlich auch das letzte, was ich mache. Hast du schon mal einen Fotoworkshop besucht? Kurz und knapp - nein. Gibt es eine oder mehrere Personen welcher/n du an dieser Stelle ein „Herzliches Dankeschön“ aussprechen möchtest? Wenn ich mich bei Leuten aus fotografischer Sicht bedanken sollte, dann bei meinen Vorbildern. Und das sind die Landschaftsmaler der Romantik. Von ihnen habe ich in Sachen Licht, Details, Stimmung und Komposition unglaublich viel gelernt.Insofern - DANKE Jungs! Schade, dass ihr alle tot seid. Vielen Dank Dirk dass du dir die Zeit genommen hast für dieses Interview. Die Website von Dirk Jürgensen: dirk-juergensen.com

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