• Adrian Wirz

Im Fokus: Roland "Bill" Moser


Heute mit Roland "Bill" Moser, ein Einblick hinter die Kulissen dieses grossartigen Fotografen aus dem Kanton Solothurn/Schweiz.

Erzähl uns doch etwas über dich, wo du wohnst, wie hast du zur Fotografie gefunden? Ich bin in Biel in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen. Ich kann jetzt nicht sagen, dass mir das Fotografieren in die Wiege gelegt worden ist, habe ich doch eigentlich relativ spät damit begonnen. Ich verbrachte viel Zeit im Emmental und meine Eltern unternahmen sehr viel mit mir und meinem Bruder in der Schweiz. Wir lernten die Schweiz somit sehr gut kennen. Wir verbrachten die Ferien einmal im Wallis, dann wieder im Tessin, Bündnerland, Berner Alpen und machte sehr viele Ausflüge in den nahen gelegenen Jura. Doch mich interessierte damals schon die USA und ich wollte schon damals unbedingt mal die USA bereisen. Doch es sollten noch viele Jahre vergehen bis es soweit war. Mein Vater sagte mir immer, zuerst machst du eine Lehre und absolvierst die Rekrutenschule und danach kannst Du machen was Du willst. So ging es dann direkt nach der Rekrutenschule ab in die USA. Ich besuchte dort mit einem Kollegen die Schule in Santa Barbara. Dort hatte ich zugleich auch meine erste eigene Wohnung. Nach der Schule trampten wir mit dem Greyhound Bus kreuz und quer durch Amerika. Das war der Moment als ich anfing zu fotografieren. Damals zwar noch mit einer einfachen Kamera. Wieder zurück in der Schweiz, war für mich klar, sobald ich wieder Geld habe, geht’s wieder nach Amerika. Ich kaufte mir eine Spiegelreflex-Kamera und brachte mir das Fotografieren selber bei. Das war damals noch nicht so einfach wie heute. Kurz nachdem ich von meinem Amerika Aufenthalt zurück war, gründete ich mit meinem Bruder und ein paar Kollegen eine Country-Band. So dauerte es bis in den Sommer 1994 bis ich das nächste Mal nach Amerika gehen konnte. Die nächsten paar Jahren waren geprägt mit Musik und Amerika Reisen. Ich verbrachte im Jahr im Durchschnitt 8 Wochen in den USA. Fotografiert habe ich in dieser Zeit meistens nur in den USA oder auf Konzerten. Im Jahr 1999 entschied ich dann der Schweiz endgültig den Rücken zu kehren und nach Amerika auszuwandern. Ich wollte aber direkt die Green Card, so dauerte das Ganze seine Zeit. Schon bald hatte ich ein Job Angebot in den USA – doch es dauerte noch drei weitere Jahre bis ich endlich die Green Card erhalten sollte. In dieser Zeit lernte ich meine heutige Lebensgefährtin kennen. Das Sie Australierin ist und nicht mit nach Amerika gekommen wäre, stoppte ich die ganze Einwanderungsprozedur und ging anstatt nach Amerika auszuwandern das erste Mal nach Australien. Und das war «Liebe auf den ersten Blick». Bei meinem ersten Australien Besuch war das Fotografieren nicht im Vordergrund. Ich hatte meine alte analoge Spiegelreflex-Kamera mit, aber zum ersten Mal auch eine kleine kompakte Digitalkamera. Doch diese 4 Wochen Australien änderte alles. Es entfachte das Virus «Fotografieren» komplett neu und mit dem Aufkommen der digitalen Kameras und der digitalen Bildbearbeitung ermöglichte es mir endlich das zu tun, was ich schon immer wollte: die komplette Kontrolle meiner Bilder von Anfang bis zum Schluss. Australien wurde zu meinem fotografischen Traumland, doch fotografierte ich auch mehr und mehr hier in der Schweiz und lernte auch unser Land neu kennen. Jetzt kam mir zugute, dass ich in meiner Kindheit die Schweiz mit meinen Eltern so viel bereiste und ich konnte gewisse Orte einfach wieder abrufen und besuchen. Natürlich betrachtete ich vieles aus einem anderen Blickwinkel als damals. Ich kaufte mir meine erste digitale Spiegelreflex-Kamera, erwarb Photoshop, meldete mich in Fotografie Foren an, kaufte Bücher über die Fotografie und die digitale Bildbearbeitung und tauschte mich mit anderen Fotografen aus, ausschliesslich aus dem angelsächsischen Raum. Das war nicht beabsichtig, doch es ergab sich einfach so. Zu dieser Zeit waren viele gute Fotografen im Natur und Landschaftsfotografie Forum «Nature Photographers Network» unterwegs und da war ein reger Austausch und man konnte voneinander sehr viel lernen. Gerade was die Technik in der Bildbearbeitung betraf. Ich verbrachte tausende von Stunden vor dem PC mit Photoshop und später dann auch Lightroom und versuchte immer wieder neue Techniken. Ich war in dieser Zeit wie ein Schwamm und sog alles in mich auf: es interessierte mich einfach alles. Vor allem ging es mir nie darum, Bilder manipulieren zu können, sondern um die Technik so anzuwenden, damit man die bestmögliche Bildqualität erreichen kann. Mit welcher Kamera und welchen Objektiven fotografierst du zur Zeit? Ich fotografiere heute mit einer Nikon D810. Habe aber als Backup noch die D800e. Die verwendeten Objektive sind das 14-24/f2.8, 24-70/f2.8 und das 70-200/f2.8. Auf der Windhunderennbahn (mache ja nebenbei heute auch noch Windhundebilder) brauche ich eine Nikon D4s und das Sigma 150-600/f5 (diese Kamera und das Objektiv gehören mir aber nicht – es wird mir freundlicherweise vom Vater einer Kollegin immer zur Verfügung gestellt). Ich finde diese Frage nach der verwendeten Kamera immer ein wenig gefährlich – ein guter Fotograf macht gute Bilder, egal welche Technik er/sie verwendet hat. Das Foto muss heute immer noch der Fotograf machen, respektive man muss es auch erst sehen und entsprechend komponieren. Wenn man das Auge nicht hat, die Technik nicht anwenden kann und seine Vorstellung in der Nachbearbeitung nicht umsetzten kann, dann bringt die beste Kamera der Welt nichts. Dem Bildbetrachter ist es letztendlich egal, welche Kamera man gebraucht hat, das Bild muss den Betrachter ansprechen. In der Windhundefotografie ist es etwas anders: da sind gewisse Ansprüche an die Technik Voraussetzung für gute Bilder. Es braucht eine schnelle Kamera mit einem guten Autofokus welcher auch sauber nachführen kann, dazu sollte das Objektiv Lichtstark sein und ebenfalls schnell sein zum Fokussieren. Dazu braucht es aber auch da sehr viel Übung. Gibt es Fotomotive die du bevorzugst und solche die du eher weniger magst? Ich mag die Landschaftsfotografie. Das ist meine Leidenschaft. Ich liebe die endlosen Weiten Australiens und die rote Erde. Die Landschaft, das Licht und die Farben in Australien sind einzigartig. Doch mag ich auch die Berge. Die Dolomiten gehören sicher zu meinen persönlichen Favoriten. Ich mag die schroffen und bizarren Berggipfel. Aber auch die Bergseen in der Schweiz finde ich immer wieder sehr schöne Motive. Allgemein fotografiere ich gerne Bergseen. Sie haben etwas Beruhigendes. Und ich liebe Spiegelungen. Natürlich liebe ich es auch Nebel zu fotografieren. Es ist für mich immer wieder etwas faszinierendes Nebel fliessen zu sehen und dies auch so fotografisch festzuhalten. Man kann mit Nebel so enorm kreativ sein! Am liebsten habe ich, wenn es keine von Menschenhand erschaffene Elemente im Bild hat. Doch musste ich auch lernen, dass es Landschaften gibt, zu denen gehört jetzt einfach ein Haus oder ein Zaun. Früher wollte ich solche Elemente gar nie in meinem Bild haben und ging des Öfteren auch Kompromisse in der Komposition ein – zum Nachteil für den Gesamteindruck des Bildes. Wo ich mich schwertue, ist mit Städtefotografie. Da gibt es des Öfteren viele störende Elemente, wie Baukräne, Baustellen oder in der Nacht unschöne beleuchtete Gebäude usw…….obwohl eine Stadt durchaus seinen Reiz haben kann, sind mir diese Motive sehr anstrengend diese für mich so umzusetzen wie ich mir das vorstelle. In Solothurn musste ich 5 Jahren warten, bis endlich die Stadt Baustellenfrei war, dann war genau für einen kurzen Moment alles perfekt bis wieder ein neuer Kran stand. Wenn es geht, dann retuschiere ich diese weg, doch bin ich ein wenig «Retuschierfaul» in diesen belangen. Und vor allem bin ich Perfektionist – wenn ich etwas wegretuschiere, lass ich das Bild ein bis zwei Tage ruhen und schaue mir das Bild in 100% Ansicht an und wenn ich nichts sehe vom retuschieren dann ist es gut, sonst wird es neu gemacht oder eben gelöscht! Welches sind deine drei schönsten Fotos? Erzähl uns doch etwas darüber Das ist eine relativ schwere Frage. Klar habe ich persönliche Favoriten. Ich finde das immer eine der grössten Herausforderungen als Fotograf, nur die besten Bilder auszusuchen. Es kommt sicher auch gerade drauf an, in welcher Stimmung ich bin. Je nach Stimmung kann sich meine Ansicht meiner besten Bilder ändern. Man sollte das Emotionale versuchen nicht mit einzubeziehen, doch manchmal ist das schwer. Sicher gehört das Bild «Spiritual Land» zu meinen «all-time-favorite-images». Das hat verschiedene Gründe. Von der Komposition her ist es sicher eher unspektakulär – doch ist es trotz der Schönheit des Ortes sehr schwer zu fotografieren. Ich stand, um dieses Bild zu machen, mitten in einem von Salzwasser-Krokodilen bewohnten Gebiet. Der Boden war sumpfig und Julie, meine Lebenspartnerin, stand ca. 100 Meter hinter mir auf dem Pfad und hielt Ausschau auf Krokodile. Schon der Weg dorthin zu diesem Spot war ein kleineres Abenteuer und des Öfteren hatte ich ein mulmiges Gefühl. Doch ich kannte diesen Ort von meinem letzten Besuch im Kakadu Nat’l Park und ich wollte unbedingt wieder dorthin gehen. Als wir das Auto parkten, sahen wir die bedrohlichen Wolken schon und dann war noch ein Warnschild am Anfang des Wanderweges welches darauf Aufmerksam machte, das in letzter Zeit häufig Krokodil Sichtungen in der Nähe des Weges gemacht wurden und man sehr Vorsicht sein sollte und den Weg nicht verlassen sollte. Gewitter und Salzwasserkrokodile sind nicht gerade ein beruhigendes Gefühl. Dennoch, ich wollte unbedingt dorthin und es könnte eine atemberaubende Stimmung geben. Also machten wir uns auf den Weg. Nach ca. 45 Minuten erreichten wir das gegenüberliegende Ufer des Anbangbang Billabong. Ich glaube ich war noch nie so vorsichtig und vorausschauend gewandert. Und das Glück sollte es gut meinen mit mir an diesem Tag. Ich hatte meine Kamera gerade ein paar Minuten aufgestellt gehabt, als sich ein schöner Regenbogen über den unendlichen Weiten des Outback bildete.

Das warme Abendlicht liess dazu den Nourlangie Rock rot leuchten. Was kann man sich noch mehr wünschen. Für mich ein Bild welches meine Gefühle, mein Erlebtes, den Moment und den Ort schön wiedergibt. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Natürlich ein Wunsch hätte ich noch gehabt, aber zu diesem Wunsch sage ich mehr später! «Himmel auf Erden» ist ein anderes meiner Favoriten. Ich weiss noch genau wann und wo ich das Bild von Ian Plant mit fliessendem Nebel im Smoky Mountain Nat’l Park sah. Dieses Bild hat mich inspiriert und geprägt. Ich wollte unbedingt auch so ein Bild mit fliessendem Nebel fotografieren. Natürlich wusste ich, aufgewachsen am Jurasüdfuss, dass es hier eventuell möglich sein sollte, solche Bedingungen anzutreffen. So machte ich mich auf die Suche nach Orten wo man bei Nebellage den fliessenden Nebel beobachten konnte. Auf der Suche nach so einem Ort, fuhr ich dann eines Tages über den Kilchzimmersattel in der Schweizer Belchenregion. Ich hatte ein paar Monate zuvor mal ein Bild gesehen mit einem Felsen der vom Nebel umhüllt war. Das Bild faszinierte mich, doch dachte ich, das kann man besser machen. Mich wunderte eigentlich zu dieser Zeit, dass man nicht viel Bilder sieht aus dieser Gegend. So befasste ich mich mit diesem Gebiet. Natürlich mit dem Hintergedanken, die Nebelwelle zu fotografieren, falls es sie hier wirklich gibt. Da ich zu dieser Zeit einen Auftrag hatte von einer baselländischen Klinik Fotos für sie zu machen, war ich in diesem Frühling und Sommer auch öfters im Baselbiet und erkundete auch immer wieder die Belchenregion. Bei so einem Erkundungsausflug traf ich dann im Sommer 2012 auf Adrian Wirz. Bei einem Gespräch mit ihm erwähnte ich dann mal den Namen Ian Plant und das Bild mit dem fliessenden Nebel und Adrian meinte «Hey, das gibt es hier». So wusste ich, ich war auf dem richtigen Weg! Doch es sollten noch einmal gute zwei Jahre vergehen, bis ich diese Welle das erste Mal sah. Doch in diesem Herbst/Winter 2014 passte einfach alles, ausser dass mich meine Kamera öfters im Stich liess. Die war während dieser Zeit des öfteren bei Nikon in der Reparatur. Sogar mein Backup Gehäuse war bei Nikon in Egg. Glücklicherweise war Nikon so nett und stellte mir gratis eine Ersatzkamera und Objektive zur Verfügung. Und genau in dieser Zeit, es war November 2014, konnte ich an einem Samstagmorgen das Bild «Himmel auf Erden» machen.

Es war ein perfekter Morgen. Alles stimmte. Ca. 6 Jahre brauchte ich um diese Aufnahme zu realisieren. Unzählige Besuche und viele Stunden warten zahlten sich an diesem Morgen aus. Es war ein tolles Gefühl. Nicht nur das man so ein Naturereignis sehen darf, nein, auch dass man nach 6 Jahren sein Bild endlich hat. Damit man dies genauso machen konnte, mussten ein paar Faktoren stimmen, die Nebelhöhe muss genau richtig sein, es muss vor Sonnenaufgang fotografiert werden, die Dämmerung muss eingesetzt haben, der Himmel darf nicht zu klar sein und ich musste ca. zwischen 30 Sekunden bis max. 3 Minuten belichten. Zu lange darf man nicht sonst verliert man Struktur im Nebel und wenn es zu kurz ist, erkennt man den Nebelfluss nicht. Ich wollte ja einen Warm/Kalt Kontrast und der Glanz vom ersten Tageslicht, also war der Zeitpunkt relativ wichtig. Für jemand der sowas noch nie mit eigenen Augen erleben durfte, ist es fast unfassbar, dass die Natur sowas hervorzaubern kann. Ein weiteres Bild ist sicher «Silent Prayer» fotografiert in den Dolomiten letzten Sommer.

Wir erreichten am späten Nachmittag vom Vortag unsere Unterkunft am Fusse des Cinque Torri. Es war nicht gerade leicht zu finden, da das Navi die Strasse oder besser gesagt die Schotterpiste welche zu dieser Berghütte führte nicht kannte, dennoch fanden wir die richtige Abzweigung und fanden den Weg zur Hütte. Kurz nach unserer Ankunft fing es an wie aus Kübeln zu regnen und so setzten wir uns noch in die kleine Gaststube für einen Kaffee. Sobald der Regen etwas nachlief, wanderten wir zu den Cinque Torri. Angekommen, sahen wir erstmal noch nicht sehr viel, alles war von Nebel umhüllt und so warteten wir erneut bis sich die Bewölkung etwas auflockerte und man die Gegend um die Cinque Torri etwas erkunden konnte. Man konnte sich schon vorstellen wie schön das sein muss, wenn das Wetter passt. An diesem Abend lockerte der Himmel nur kurz auf bei Sonnenuntergang, doch zu wenig um die Wolken zum Leuchten zu bringen. Am nächsten Morgen stellten wir dann den Wecker frühzeitig damit wir genügend Zeit hatten und einzurichten bevor die Dämmerung einsetzte. Doch als ich aus dem Fenster schaute, sah ich nur Nebel und so ging ich wieder zurück ins Bett. Doch kurz darauf bemerkten wir, dass es keine einheitliche Nebeldecke war und so beeilten wir uns um noch rechtzeitig oben am Spot zu sein. Was wir dann oben erleben durften, kann man mit Worten kaum beschreiben. Ich denke, wenn ich mir so eine Stimmung gewünscht hätte, wäre diese nie eingetroffen. Es war einfach unglaublich und fantastisch. Die Cinque Torri ragten mit ihren Türmen aus dem Nebel heraus. Die Stimmung wechselte ständig, doch der Nebel blieb, einmal etwas mehr und dann wieder etwas weniger. Während fast 2 Stunden hatten wir atemberaubendes Licht. Am Abend zuvor entdeckte ich diese Alpenrosen vor den Cinque Torri und ich wusste sofort, dass ich diese Alpenrosen in meine Bildkomposition einbauen wollte. Heraus kam dann das Bild «Silent Prayer». Es gab an diesem Morgen noch weitere tolle Bilder, doch dieses hier ist mein Favorit. Sicher hast du auch spannende Erlebnisse während deiner Foto-Touren erlebt, erzähl uns doch etwas davon Eines davon habe ich euch gerade vorher erzählt. Es gibt praktisch zu jedem Bild oder zu den meisten eine Geschichte. Nicht jede ist spannend oder aussergewöhnlich. Sicher bleibt der Abend am Creux Du Van im Sommer vor zwei Jahren unvergessen als Adrian Wirz und ich plötzlich mitten in einem heftigen Gewitter waren. Blitze schlugen nur ein paar Meter neben uns ein, es goss wie aus Kübeln und wir lagen eine gefühlte Ewigkeit unter unserer Zeltplane. Zumindest kalt war es darunter nicht. Jedesmal wenn wir dachten, das Gewitter ist vorbei und das schlimmste haben wir hinter uns, schlug wieder so ein Blitz neben uns ein. So genial die Stimmung war zum Fotografieren, so etwas möchte ich nicht unbedingt nochmals erleben. Eigentlich wollten wir in dieser Nacht am Creux Du Van übernachten, doch wir waren so durchnässt von diesem Gewitter, es war einfach alles komplett nass, dass wir uns entschlossen nachdem das Gewitter endlich nachgelassen hat und wir beim Auto ankamen heim zu fahren. Dann gibt es noch diese Erlebnisse wo man grosse Strapazen auf sich genommen hat, und schlussendlich geht man wieder ohne Bild nach Hause – sei es, weil das Licht nicht gut war oder man einen Ort erkundet hat und dieser sich als völlig unfotogen erwiesen hat. Julie und ich wanderten einmal im Elsey Nat’l Park zu einem Wasserfall der anscheinend sehr schön sein sollte, doch habe ich nirgends davon Bilder gefunden. Doch wir dachten wir versuchen es einfach mal. Es war über 40 Grad heiss an diesem Tag und wir wanderten gute 20 km durch den Busch einem Fluss entlang. Wir mussten auf Krokodile achten und den grössten Teil der Strecke wanderten wir durch Sand. Wir mussten dann noch feststellen das dort noch Sandflöhe beheimatet waren und so durfte ich Tagelang noch mit einem Juckreiz an den Füssen leben. Als wir nach 10 km wandern, ich mit der Fotoausrüstung auf dem Rücken und Julie schleppte für uns beide gut 10 Liter Wasser und etwas zu Essen mit, bei unserem Zielort ankamen, mussten wir feststellen das dieser Wasserfall nicht einmal dem Wort «Wasserfall» gerecht wurde und es überhaupt nichts gab zum Fotografieren. Dennoch es war ein Erlebnis das immer in meiner Erinnerung bleiben wird und das wandern durch das australische Outback ist alles andere als ein Zuckerschleck! Doch das Erlebnis war wunderschön! Ein andermal als ich mit Adrian Wirz unterwegs war, fiel mir meine Kamera mit Stativ eine Felswand hinunter – glücklicherweise wurde sie durch einen Zweig vom freien Fall aufgehalten – somit konnte ich die Kamera an einem Stativbein wieder hochziehen. Wie ein Wunder war der Kamera nichts passiert. Auch den Rückweg von der Stallfluh im Solothurner Jura durch kniehohen Schnee bei Dunkelheit werde ich nie mehr vergessen. Adrian fragte mich noch am Nachmittag, ob ich den Rückweg kenne und ich antwortete ihm «Ja natürlich, wir gehen einfach unseren Spuren nach». Ich dachte damals nicht, dass durch den Wind und den daraus resultierenden Schneeverwehungen unsere Spuren bis am Abend nicht mehr sichtbar waren. Also ging es in stockfinsterer Nacht bei Schneesturm und Nebel über die Stallfluh zurück zum Altenhüsli. Es gab Momente da wusste ich nicht mehr, ob wir noch auf Kurs waren oder nicht. Doch irgendwie schafften wir es zurück zum Auto. Ein andermal war ich mit ein paar Fotokollegen auf der Rückfahrt von den Cascade des Tuffs im französischen Jura. Es war Winter und eisig kalt. Überall hatte es Schilder «Strasse gesperrt», man konnte aber dennoch durchfahren. Irgendwann dachten wir, jetzt versuchen wir unser Glück auf so einer «gesperrten» Strasse einmal, den irgendwie mussten wir ja wieder in die Schweiz kommen und es gab keine Umleitungen. Die Strasse war mit einem 4x4 relativ gut befahrbar und wir machten schon Witze wieso diese Strasse überhaupt gesperrt war, den wir konnten gut 20km ohne weitere Probleme darauf fahren – bis plötzlich die Strasse abrupt endete. Auf einmal war vor uns nur noch ein 2 Meter hoher Schneeberg – bremsen konnten wir nicht mehr und fuhren voll in diesen Schneehaufen hinein. Jetzt mussten wir das Auto ohne Schaufel aus dem Schnee befreien. Zwei Stunden lang schaufelten wir mit unseren Händen und Stativ das Auto frei vom Schnee. Ein Franzose der sich auch auf diese Strasse verirrt hatte und kurz nachdem wir das Auto vom Schnee befreit hatten auftauchte, zeigte uns dann den Weg zurück in die Schweiz. Es gäbe noch viele solche Erlebnisse und Abenteuer zu berichten. Ich denke jeder Fotograf hat solche Abenteuer erlebt und kann solche Geschichten erzählen. Was fasziniert dich an der Tier- und/oder Landschaftsfotografie? Ich bin jetzt weniger der Tierfotograf – doch ich bewundere Wildlife-Fotografen für ihre Ausdauer. Doch wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme, mache ich auch gerne Wildtierfotografie. Meistens ist das dann in Australien. Mich fasziniert dort einfach diese Tierwelt. Tierarten, welche man sonst nirgends auf der Welt mehr findet. Am meisten fasziniert bin ich von den Salzwasserkrokodilen, mit welchen ich mich auch länger beschäftigt habe. Dadurch habe ich mir auch ein Wissen über diese Urtiere angeeignet, möchte aber jetzt nicht behaupten ich sei ein Spezialist. Doch um wild-lebende Tiere fotografieren zu können, muss man ihr Verhalten genau kennen. Bei Krokodilen auch für die eigene Sicherheit sehr wichtig. Viele unterschätzen diese Tiere gewaltig und sind sich nicht bewusst, welcher Gefahr sie sich aussetzen. Also tierfotografen haben definitiv meine Bewunderung. Die Faszination «Landschaftsfotografie». Es ist der Zauber der Natur. Öfters höre ich Leute sagen, dass Bild ist aber nicht echt, das ist doch mit Photoshop gemacht, oder? Es gibt natürlich viele Manipulationsmöglichkeiten mit Photoshop in der heutigen Zeit, doch für mich ist Landschaftsfotografie warten bis das Licht stimmt vor Ort und nicht das Licht in Photoshop erzeugen. Mich fasziniert es jedes Mal aufs Neue wenn ich sehe wie sich die Farben am Himmel verändern und das Spiel mit dem Licht beginnt. Viele die das noch nie gesehen haben, können sich sowas nicht vorstellen. Es ist jedes Mal wieder anders – ich war schon x-Male am Stellisee und habe das Matterhorn fotografiert, doch es ist nie gleich. Es ist auch diese unheimliche Ruhe wenn man irgendwo alleine ist und auf den Tagesanbruch wartet. Es ist eine unendliche Dankbarkeit an das Leben so etwas erleben zu dürfen. Ich glaube einfach es ist mehr als nur den einen Moment – Landschaftsfotografie ist ein Lebensgefühl, es ist Leidenschaft! Irgendwie ist es auch Freiheit. Landschaftsfotografie ist auch einen Gang runter schalten, beobachten und mit allen Sinnen den Moment geniessen. Gibt es ein Land welches du unbedingt mal bereisen möchtest? Es gibt viele Länder und Orte die ich gerne besuchen würde, doch da ich weiss, dass nicht alles machbar sein wird, befasse ich mich auf ein paar wenige Länder. Es gibt überall auf dieser Erde schöne Landschaften. Man muss nur bereit sein sie zu sehen und diese zu entdecken. Island ist sicher wunderschön, doch bin ich auch einwenig «Islandmüde» durch die vielen Fotos im Internet. Für mich steht zuoberst auf der Liste Australien, die Dolomiten und dann würde mich auch England und Schottland reizen. In Australien gibt es viele Orte die ich noch nicht besucht und fotografiert habe, welche mich faszinieren und noch weniger bekannt sind. Auch die Dolomiten habe noch so viele unbekannte Orte welche nur darauf warten entdeckt zu werden – wobei es mir keine Rolle spielt ob ich jetzt ein bekannter oder ein unbekannter Ort fotografiere. Wenn ich dann mal Geld und Zeit übrig habe, würde ich sehr gerne in Namibia fotografieren. Welches Motiv fehlt dir noch in deinem Portfolio? Das ist ganz klar: ich will unbedingt mal den Uluru nach heftigen Regenfällen fotografieren. Dann verwandelt sich der Uluru in einen Felsen mit hunderten von Wasserfällen. Ein faszinierendes Naturschauspiel. Julie Fletcher, eine australische Landschaftsfotografin konnte dieses Naturereignis schon einmal fotografieren. Ein anderes Traummotiv wäre für mich den Yellow Water Billabong oder den Anbangbang Billabong mit dem Nourlangie Rock zu fotografieren. Das habe ich zwar beides schon fotografiert und durfte dort auch fantastische Stimmungen erleben, doch möchte ich eine Weitwinkel-Aufnahme machen mit einem Saltie im Vordergrund. Ja das scheint mir irgendwie unmöglich zu sein, ohne das es das letzte wäre was ich auf Erden machen würde. Doch irgendwann vielleicht kommt mir eine Idee wie ich dies umsetzen kann, und vielleicht irgendwann kann und werde ich es auch machen. Die Lavendel-Felder in der Provence gehören auch noch zu meinen Landschaften die ich gerne mal fotografieren würde, so wie die Bretagne mit ihren schroffen Küsten. Hier in der Schweiz gibt es einige Bergseen die ich noch gerne in meinem Portfolio haben möchte. Auch ganz oben auf der Liste ist der Lago delle Baste in den Dolomiten. Ich hoffe sehr, dass ich das diesen Sommer umsetzen kann. Hast du schon mal einen Fotoworkshop besucht? Ich selber habe nie Foto-Workshops besucht. Die waren vor 25 Jahren als ich anfing zu fotografieren noch nicht so in aller Munde wie heute. Es gab Fotokurse von Fotogeschäften und die Migros bot in ihrer Klubschule Kurse an. Doch ich besuchte nie einen solchen Kurs. Als ich dann vor gut 10 Jahren auf die digitale Fotografie umstieg, war noch alles in den Kinderschuhen was die Digitale Fotografie betraf. Ich meldete mich bei einem Forum für Naturfotografie an, kaufte Bücher, durchforstete das Internet nach Infos und brachte mir vieles selber bei. Das war natürlich alles sehr Zeitintensiv. Doch das NPN Forum war eine grosse Hilfe und was ich dort lernte von damals führenden Landschaftsfotografen war enorm und unbezahlbar. Auch vor 10 Jahren gab es noch nicht so viele Workshops: ja es gab die Fotoreisen von Dionys Moser und Stefan Forster fing auch gerade an. Doch ich wollte keine Fotoreisen machen, erstens wusste ich wohin ich gehen wollte und zweitens bin ich kein Gruppenfotograf. So ca. vor 5 oder 6 Jahren begann ich dann selber Workshops zu geben, aber erstmal nur Privat-Workshops, dann folgten die ersten Bildbearbeitungskurse. Hauptsächlich wollte ich aber Fine Art Prints machen, doch ich lernte schnell, dass die Leute eher bereit sind, Geld für Workshops auszugeben als Prints zu kaufen. Da es mir auch Spass machte mein Wissen weiter zu geben, wollte ich mehr Workshops geben und so startete ich die Zusammenarbeit mit Adrian Wirz. Wir wollten aber vielmehr als nur einen «trockenen» Workshop anbieten, es sollte ein Gesamtpacket sein, wo die Leute einen ganzen Tag alles Inklusive haben. Ein Erlebnis verbunden mit dem Erlernen der Landschaftsfotografie inkl. Crash-Kurs in der Bildbearbeitung. Auch der soziale Aspekt sollte nicht fehlen, so planten wir eine Mittagspause damit die Teilnehmer sich untereinander austauschen konnten. Dass alles inklusive zu einem festen Preis. Das Konzept hatte Erfolg. So bauten wir unsere Workshops in den vergangenen Jahren immer aus und dieses Jahr bieten wir unser erster Dolomiten Workshop an, welcher innerhalb wenigen Tagen ausgebucht war. Die Fotografie steht im Vordergrund und wir geben ihnen unser Know-How weiter. Das macht riesen Spass. Ich finde Workshops eine gute Sache, doch muss sich jeder Teilnehmer bewusst Gedanken machen, was erwarte ich von einem Workshop. Und ich finde man sollte, vor allem wenn man sich noch im Lernprozess befindet, auf verschiedenen Wege Wissen aneignen und nicht nur über Workshops. Gibt es eine oder mehrere Personen welcher/n du an dieser Stelle ein „Herzliches Dankeschön» aussprechen möchtest? Ja natürlich gibt es Menschen denen ich unheimlich Dankbar bin und ich gerne Danke sagen möchte. Als erstes gehört sicher einen grossen Dank meiner Lebenspartnerin Julie. Als Landschaftsfotograf, dann mit meinem 100% Job als Feinmechaniker, Hunden und der Selbständigkeit von Julie ist es manchmal sehr schwer allen gerecht zu werden. Doch mit guter Organisation und Planung ist es machbar – doch braucht es sicher auch viel Toleranz von Julie. Da mein Terminkalender vor allem von Frühjahr bis Anfang Winter meistens immer voll ist, braucht es auch von meinen Fotografenkollegen sehr viel entgegenkommen – ist es doch nicht einfach mit mir was zu unternehmen. Wir wissen ja, als Landschaftsfotograf muss man losziehen wenn die Voraussetzungen für gutes Licht vorhanden sind. Das ist natürlich des Öfteren schwer für mich. So muss für mich die Planung auch für die Landschaftsfotografie optimal sein und ich muss jede noch so kleine Möglichkeit nutzen um zu fotografieren. Deshalb auch hier an dieser Stelle einen grossen Dank an meinen Fotografen-Kollegen Adrian Wirz, mit welchem ich in den letzten Jahren sehr viel unterwegs war und auch viel erlebt habe. Ich schätze ihn als Mensch und als Fotografen sehr. Ich mag seine Bilder, gerade weil wir nicht den genau gleichen Stil verfolgen. Es gibt natürlich noch viele anderen Fotografen welche gerade in meiner Anfangszeit der Digitalfotografie eine grosse Stütze und Hilfe waren mit ihren Tipps und Tricks. Ich durfte sehr viel von ihnen lernen. Es war damals eine schöne grosse Community in NPN mit vielen top Fotografen. Da möchte ich einfach mindestens einen Namen nennen: Andreas Resch. Ein absoluter Top Fotograf und kennt sich bestens aus in der digitalen Bildbearbeitung. Von ihm durfte ich damals auch sehr viel lernen. Es war eine sehr schöne Zeit damals bei NPN: es war ein Geben und Nehmen. Website von Roland "Bill" Moser: nature-moments.com Vielen Dank Roland für dieses ausführliche Interview und den Einblick hinter die Kulissen deiner grossartigen Werke!


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